Stadt & Leute

„Rückenwind“ für Schule und Theater

Hauptschüler der Heiligenbergschule und städtisches Theater starten Kooperationsprojekt

Ab November wird das Theater und Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg Partner für eine neue Kooperation sein: Ein ganzes Schuljahr lang will das Haus sich mit den Hauptschülern der Heiligenbergschule in Handschuhsheim vernetzen und ihnen direkten Zugang zu Kunst und Kultur vor und hinter der Bühne vermitteln.

Einblicke in die Theaterarbeit erhalten die Schüler der Heiligenbergschule in dieser Spielzeit.
Einblicke in die Theaterarbeit erhalten die Schüler der Heiligenbergschule in dieser Spielzeit. Hier eine Szene aus der aktuellen Zwinger3-Produktion „Picknick im Felde“. (Foto: Walzl)

„Rückenwind – Theater & Schule“ ist das Projekt überschrieben, das auf einer Idee von Zwinger3-Leiterin Annette Büschelberger und Dramaturgin Alexandra Luise Gesch basiert. Hauptschüler, die in der Regel wenig mit künstlerischen Einrichtungen in Berührung kommen, sollen das Theater als Lern- und Erfahrungsort entdecken. Intendant Peter Spuhler: „Junge Menschen können im Theater ihre Grenzen und Möglichkeiten ausloten, in einem Kostüm ist es möglich, Dinge zu tun, die man sich sonst nicht traut.“ Kunst, so Spuhler, lehre freies Denken, fordere die Geschmacksbildung heraus und rege an, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das Theater sieht Spuhler als wichtigen Bildungspartner, in einer Zeit, in der Jugendliche oft nicht mehr über die Elternhäuser, sondern über die Schulen an Kultur herangeführt würden. Mit dem wegweisenden Projekt „Rückenwind“ hofft er deshalb „Trendsetter und Vorbild“ für andere zu sein.

Dass das Theaterprojekt ein Gewinn für die Persönlichkeitsbildung der Schüler sein wird, ist sich auch Schulrektorin Miriam Aakerlund sicher. Sie freut sich über die Kooperation, die das musisch-ästhetische Profil ihrer Schule stärkt und setzt auf die Kompetenz der Profis, die Kunst und Kultur an authentischen Lernorten vermitteln. Wichtig ist dabei auch die Arbeit der Theaterpädagogen, die am Heidelberger Theater nicht nur im Kinder- und Jugendtheater, sondern auch im Konzertbereich, im Schauspiel und der Oper wirken.

Für Bürgermeister Dr. Joachim Gerner ist „Rückenwind“ ein gutes Beispiel für den Dialog der Schulen mit anderen Kultur- und Bildungsträgern, wie ihn das Heidelberger Konzept „Kommunale Bildungslandschaft“ vorsieht. Die Pisa-Studie habe gezeigt, dass über die reine Wissensvermittlung hinaus Flexibilität und Kreativität gefragt seien. „Rückenwind“ sei dafür ein gutes Beispiel.

Was es konkret heißt, wenn Heiligenbergsschule und Theater sich vernetzen, zeigen die Klassenprojekte: Die Klassen 5 und 6 werden als Expertenschar in Proben, Workshops und Projektwochen die Produktion „Odysseus’ Sohn“ im Zwinger 3 begleiten. Die Klasse 7 realisiert ein Theaterprojekt in Zusammenarbeit mit der Jugendagentur. Die Klasse 8 darf mit dem Nachwuchsdramatiker Dirk Lauckes Theater von der Textentstehung bis zur Aufführung hautnah erleben. Die Klasse 9 wird ein kleines Musiktheaterstück selbst erarbeiten, die Jugendlichen werden zu Autoren, Schauspielern, Musikern, Bühnen- und Kostümbildnern.

Weitere Infos unter www.theater.heidelberg.de (eu)