Stimmen aus dem Gemeinderat

GAL - Grüne

Susanne Bock

Friedrich-Ebert-Platz

Susanne Bock

Folgendes Schreiben des bekannten Heidelberger Künstlers Wassili Lepanto erreichte uns: „Mehr als den nächsten Menschen sollten wir das Vergangene und Zukünftige lieben, sagte Friedrich Nietzsche. Doch wen interessiert heute, was dieser Philosoph und andere große Menschen uns als Vermächtnis hinterlassen haben? Unzählbar sind die Kleinen, die Unwissenden in jeder Stadt. Heute haben diese Menschen diese Interessen, morgen haben sie einen neuen Glauben und übermorgen einen neueren. Zum Beispiel Heidelberg. Was heißt hier Vergangenheit, was heißt hier Marktkolonnaden am Friedrich-Ebert-Platz und neoklassizistischer Bau in der nüchtern-sachlichen Architektur der 20er Jahre, die den Geist jener Zeit in der Altstadt markieren? Und was bedeuten 17 Linden und Platanen, majestätische Lebensspender, die gefällt werden sollen? Weg müssen sie für den Bau einer dreistöckigen Tiefgarage für 240 Autos.

Taub und blind sind die Kommunalpolitiker gegenüber dem Flehen der Bürger, sie zu erhalten. Du leidest tief durch das zugefügte Unrecht, in deiner dicken Schwermut, in die sie dich versetzt haben, aber sie gehen stolz und zürnend, oder in einer fröhlichen Bosheit an dir vorüber, weil du gewagt hast, die Betrübung und Verwirrung deiner Seele, deine Traurigkeit zu zeigen. Hundertmal besser wäre es, du tätest es nicht. Denn Verachtung, nicht Achtung erwartet Dich. Über 10.000 Menschen haben in vier Wochen mit ihrer Unterschrift – von einer solchen Entscheidung verschreckt – für den Erhalt der Bäume und des Denkmals protestiert. Statt auf dieses Flehen zu hören, drängen sie dich zur Seite und beeilen sich, bei der Denkmalschutzbehörde in Karlsruhe die Erlaubnis für den Abriss zu erwirken, die sie auch bekommen – wenn auch unter entstellten Sachverhalten: Das Denkmal interessiere kaum jemanden in Heidelberg, das Denkmal sei baufällig, seine Instandsetzung erfordere 750.000 Euro.

Das ist nicht das erste Beispiel für ein solch ignorantes Verhalten unsrer Politiker. In lebendiger Erinnerung, in sinnlicher Wahrnehmung, ist uns gegenwärtig ihre Gleichgültigkeit, ihr beharrliches Ignorieren von 11.000 unterschrieben habenden Bürgerinnen und Bürgern, die forderten, eine neue Trauerweide an die Stelle der alten zu pflanzen, die sie im Jahr 2001 im Schloss-Innenhof aus simplen Gründen gefällt hatten. Ach, Weg-Sehen wollte ich am liebsten von Euch, liebe Stadtpolitiker! Doch ich kann es nicht. Meine Seele aus Liebe zu Heidelberg, überreich und schwer, zwingt mich, naiv und sentimental zu warten – ich blicke um mich herum, horche auf neue Klänge, die einen Neubeginn in Stadtpolitik und Leben ankündigen.“