Stadt an den Fluss

Gestalten statt schlechtreden

Bürgerbeteiligung Stadt an den Fluss: Interview mit Michael Palm, Architekt der Neckaruferpromenade

Mit Stadt an den Fluss kehrt die Altstadt an den Neckar zurück. Der Verkehr auf der Uferstraße soll in einem Tunnel verschwinden, das schafft Platz für eine Promenade. Wie diese gestaltet werden soll, war Gegenstand einer umfassenden Bürgerbeteiligung. Michael Palm, Architekt der Neckaruferpromenade, berichtet von seinen Erfahrungen.

Michael Palm, Planer der Neckaruferpromenade, stellte sich bei fünf Werkstatt-gesprächen offen der Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Michael Palm, Planer der Neckaruferpromenade, stellte sich bei fünf Werkstatt-gesprächen offen der Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern. (Foto: Rothe)

Herr Palm, auf fünf Werkstattgesprächen wurden Ihre Entwürfe für die Neckaruferpromenade diskutiert. Wie fühlt sich das an?

Sehr gut! Für mich ist entscheidend, dass wir als Architekten nicht planverliebt und abgehoben arbeiten, sondern eine Planung für die Menschen machen. Ich habe mich daher sehr gefreut über das positive Feedback. Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.

Das klingt sehr harmonisch, gab es denn auch Kritik?

Natürlich gab es auch kontroverse Auffassungen. Das ist ja gerade der Sinn von Bürgerbeteiligung, dass man über die besten Ideen und Wege diskutiert. Die Werkstattgespräche waren aber immer sachlich, fair und konstruktiv. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Woran lag es denn, dass es so gut lief?

Die Vorbereitung und Moderation der Werkstattgespräche waren sehr professionell. Man hat nicht versucht, die Bürger zu überreden, sondern hat konkrete Möglichkeiten zur Mitgestaltung angeboten, Fragen beantwortet, sich Diskussionen gestellt. Es ging also wirklich um Bürgerbeteiligung, nicht um Show. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen, alle waren mit Herzblut dabei. Den Teilnehmern ging es um Gestalten, nicht um Schlechtreden.

Bei aller Harmonie ist natürlich wichtig, was unterm Strich dabei rauskommt. Welchen Einfluss hat die Bürgerbeteiligung auf Ihre Planung?

Die Wünsche, die uns die Bürgerinnen und Bürger mitgegeben haben, kann man zusammenfassen mit Verbesserung der Aufenthaltsqualität, mehr Bezug zum Wasser und mehr Grün. Dies können wir ganz konkret in der Planung umsetzen, etwa durch zusätzliche Bäume oder Zugänge zum Neckar. Andere Wünsche gehören eher in den Bereich der temporären Nutzung, wie zum Beispiel der Wunsch nach Kulturveranstaltungen oder Liegestühlen am Wasser. Wichtig ist, dass wir die Räume schaffen, um das zu ermöglichen. Ein dritter Aspekt war, weiter zu denken …

Was heißt das konkret?

Die Bürgerinnen und Bürger haben uns immer wieder aufgefordert, auch ans andere Neckarufer, an die gesamte Altstadt, an die angrenzenden Stadtteile zu denken. Für mich als Landschaftsarchitekt gehört das natürlich zu meinem Job, nicht isoliert zu planen. Aber das nochmal von den Bürgern zu hören ist wichtig, zumal auch hier tolle Ideen formuliert wurden wie eine Neckarfähre, die Belebung von Ufergärten oder die Aufwertung von Quergassen zwischen Promenade und Altstadt.

Wie geht es jetzt weiter mit der Bürgerbeteiligung?

Ich meine: Man sollte es nicht dabei belassen, sondern unbedingt weitermachen! Damit wird nicht nur die Planung verbessert, sondern auch die Umsetzung erleichtert. Viele Projekte erleiden Schiffbruch, weil die Bürgerinnen und Bürger nicht oder unzureichend eingebunden sind. Bürgerbeteiligung schafft es, dass sich die Menschen mit Herz und Verstand einbringen können. BürgerbeteiligungVon November 2009 bis Mai 2010 fanden fünf Werkstattgespräche statt. Weitere Infos gibt es unter www.heidelberg.de/stadt-an-den-fluss und im nächsten stadtblatt.