6 17. Juni 2026 STELLUNGNAHME DER GEMEINDEORGANE „Es geht um die Frage, welche Zukunft wir unseren Kindern hinterlassen“ Stellungnahme von Oberbürgermeister Eckart Würzner Oberbürgermeister Eckart Würzner erklärt zum Bürgerentscheid am 12. Juli, warum er die Abstimmung vorgeschlagen hat, weshalb er den Standort Lammerskopf weiterverfolgen möchte und warum es aus seiner Sicht um Verantwortung für die Zukunft Heidelbergs geht. Oberbürgermeister Eckart Würzner Herr Würzner, warum sollen die Bürgerinnen und Bürger über Windenergie am Lammerskopf entscheiden? Oberbürgermeister Eckart Würzner Die Stadt Heidelberg hält den Standort für sehr gut geeignet – und ich persönlich auch. Der Regionalverband hat ihn zwar nicht als Vorrangfläche ausgewiesen. Das ist aber kein Ausschlusskriterium. Wir können als Stadt trotzdem die planerischen Voraussetzungen für Windkraft am Lammerskopf schaffen. Das ist eine grundlegende Richtungsentscheidung. Und da finde ich es richtig, dass die Bürgerinnen und Bürger die Entscheidung treffen. Warum ist dieser Bürgerentscheid aus Ihrer Sicht so wichtig? Würzner Weil es umweit mehr geht als um einen einzelnen Standort. Es geht um die Frage, ob Heidelberg bereit ist, Verantwortung zu übernehmen – für Klimaschutz, für eine sichere Energieversorgung und für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Wegen Digitalisierung, Wärmewende oder des Ausbaus der E-Mobilität steigt unser Bedarf an Strom deutlich. Gleichzeitig sind wir die erste Generation, die etwas vom Klimawandel spürt – und vermutlich die letzte, die noch etwas daran ändern kann. Wir haben hier eine Verpflichtung gegenüber unseren Kindern und Enkeln. Was ist Ihr wichtigstes Argument für Windenergie am Lammerskopf? Würzner Wir brauchen mehr regional erzeugten Strom aus erneuerbaren Quellen. Sonst gelingt die Energiewende nicht und wir bleiben abhängig von fossiler Energie und Zulieferungen aus Drittstaaten. Wir sehen gerade am IranKrieg, wie schnell so etwas unsere Wirtschaft und jeden Einzelnen treffen kann. Heidelberg hat große Erfolge beim Photovoltaik-Ausbau – reicht das nicht? Würzner Nein. Photovoltaik ist enorm wichtig, wird aber allein nicht ausreichen. Windenergie kann auch dann gewonnen werden, wenn die Sonne nicht scheint. Der Lammerskopf zählt zu den potenziell ertragreichsten Standorten für Windkraft in der Region – deshalb setze ich mich dafür ein, die Potenziale dort auch zu nutzen. Wie viel Strom kann am Lammerskopf gewonnen werden? Würzner Ein einziges Windrad dort könnte rechnerisch Strom für rund 5.000 Haushalte erzeugen. Das ist der komplette Stadtteil Ziegelhausen. Geplant sind 7 Anlagen auf Heidelberger Gemarkung und eine in Neckargemünd – das wäre in Summe also genug Energie für rund 40.000 Haushalte. Man kann hier wirklich von einem regional wirkungsvollen Beitrag sprechen – vor allem weil unser Strombedarf auch weiter ansteigt. Um wie viel steigt der Verbrauch? Würzner Eine Studie des Fraunhofer-Instituts sagt voraus, dass sich der Verbrauch bis 2045 mehr als verdoppeln könnte – von rund 17 Terawattstunden aktuell auf bis zu 38 Terawattstunden. Es geht also nicht nur um Klimaschutz. Es geht auch um die Frage, wie wir Heidelberg und die Region als starken Wirtschaftsstandort sichern. Unternehmen, Kliniken, Forschungseinrichtungen und private Haushalte sind auf eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung angewiesen. Es gibt Bürgerinnen und Bürger, die sich umNatur- und Artenschutz am Lammerskopf sorgen. Was sagen Sie ihnen? Würzner Ich nehme diese Sorgen sehr ernst. Wichtig sind mir zwei Aspekte: Zum einen gibt es eine umfassende Natura-2000Ver t räg l ichkeit suntersuchung. Demnach können Teilflächen am Lammerskopf für Windkraft genutzt werden, ohne dass die Schutzziele eines FFH-Gebiets gefährdet werden. Das hat auch das Regierungspräsidium bestätigt. Um es klar zu sagen: Natur- und Artenschutz sind also mit Windenergieanlagen am Lammerskopf vereinbar! Es gibt noch Fragen bei der Zuwegung, aber diese können im weiteren Verfahren geklärt werden. Und der zweite Aspekt? Würzner Es geht nicht darum, den gesamten Höhenzug in Anspruch zu nehmen. Wir reden von bis zu sieben Anlagen auf Heidelberger Gemarkung – pro Anlage werden 1 bis 1,5 Hektar benötigt. Und etwa ein Drittel davon kann nach dem Bau wieder aufgeforstet werden. Es werden also nur kleine Teilflächen in Anspruch genommen. Warum ist es Ihnen wichtig, dass Heidelberg hier Verantwortung übernimmt? Würzner Weil wir die Lasten der Energiewende nicht nur anderen überlassen dürfen. Es ist einfach nicht gerecht, wenn städtische Räume in hohem Maße von sauberer Energie profitieren, sich aber aus der Verantwortung für ihre Erzeugung zurückziehen. Ich freue mich deshalb darüber, dass auch unsere Stadtwerke Heidelberg im Konsortium dabei sind, die den Windpark betreiben wollen. Das Konsortium steht für einen Bürgerwindpark – welche Rolle spielt das? Würzner Der Strom bleibt in der Region, die Wertschöpfung ebenso und die Bürgerinnen und Bürger können sich sogar daran beteiligen und selbst profitieren. Ich finde es sehr sympathisch, dass nicht ein anonymer Großkonzern den Windpark betreiben würde – sondern Energiegenossenschaften mit Akteurinnen und Akteuren aus unserer Region. Das sind Menschen, die auch dafür stehen, dass mit unserer Heimat sorgsam umgegangen wird. Was wünschen Sie sich für die Wochen bis zum Bürgerentscheid – und für den 12. Juli selbst? Würzner Ich wünsche mir eine faire, sachliche und respektvolle Debatte und eine hohe Wahlbeteiligung am 12. Juli. Ich werbe für den Windpark am Lammerskopf. Aber die Entscheidung liegt bei den Bürgerinnen und Bürgern. fr/tir GROßES POTENZIAL = 5.000 Haushalte 1 = 40.000 Haushalte 8 WACHSENDER STROMBEDARF IN DER REGION Im Jahr 2026 17 TWh Im Jahr 2045 38 TWh TWh = Terrawattstunden Quelle: Fraunhofer-Institut – Stromstudie für die MRN
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