Stimmen aus dem Gemeinderat

GAL-GRÜNE

Memet Kiliç

Anette Albrecht und Behindertenbeirat

Memet Kiliç

Als ich in meiner Fraktion vor der Sommerpause die Aufgabe übernahm, über den Behindertenbeirat zu schreiben, war Anette Albrecht noch am Leben. Als ich von ihrem Tod (4. August 2007) erfuhr, war es für mich ein Schock, weil ich sie zum letzten Mal am 26. Juli 2007 beim Gespräch mit unserem neuen Dezernenten, Herrn Wolfgang Erichson, erleben durfte. Sie war wie immer sehr engagiert, sehr entschieden in ihrem Kampf für die Gleichstellung der behinderten Menschen und auch sehr humorvoll.

Sie war Mitbegründerin des Heidelberger BiBeZ. Daneben war sie auch auf Landes- und Bundesebene im Interesse der Behinderten vielfach engagiert. Wir wissen, dass sie für ihr außerordentliches Engagement mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet wurde. Wir danken ihr für ihr stetes Engagement im Sinne einer besseren Welt. Anette Albrecht hinterlässt in Heidelberg nicht nur eine große Lücke, sondern auch ein großes Vermächtnis: Behindertenbeirat.

In einer pluralistischen Demokratie wie der unseren ist die Beteiligung unterschiedlicher Interessengruppen an den Entscheidungsprozessen unabdingbar. Die Einrichtung eines Behindertenbeirates als Vertretungsorgan für alle behinderten Menschen in der Stadt Heidelberg ist aus unserer Sicht sehr wichtig. Damit werden wir das Rad nicht neu erfinden, sondern vielmehr spät entdeckt haben. In vielen Städten existieren diese Beiräte seit Jahrzehnten: In München seit 1973, in Lünen seit 1979. Durch Anregungen und Stellungnahmen an Verwaltung und Gemeinderat tragen sie zu einer behindertengerechten Kommunalpolitik bei.

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ (Artikel 3, Absatz 3 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland). “Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen (...) einer Behinderung (...) zu verhindern oder zu beseitigen.” (§ 1 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz). Seitdem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft getreten ist (18. August 2006), sind die Verpflichtungen nicht nur der Kommunen, sondern auch der Privatpersonen in der Gleichstellungspolitik anspruchsvoller geworden. Auch daher brauchen wir endlich einen Behindertenbeirat in Heidelberg!