Stadt und Leute

Ausgabe Nr. 28 · 11. Juli 2001



"Schüsselwälder" in der Heidelberger Altstadt wird es auch nach europäischem Recht nicht geben. (Foto: Rothe)

Weiter Einschränkungen für Schüsseln

Heidelberger Satzung über Satellitenempfangsanlagen verstößt nicht gegen europäisches Recht


Droht eine Schüsselflut in der Altstadt? Am 4. Juli berichtete die Rhein-Neckar-Zeitung unter dem Titel "Ist die Sendestörung bald vorbei?", dass die Europäische Kommission grünes Licht für Satellitenschüsseln gegeben habe. Deshalb seien nach neuem europäischen Recht Parabolantennen auch in der Altstadt möglich und die Genehmigungspflicht in der städtischen Satellitenempfangsanlagensatzung sei problematisch. Das ist so nicht richtig, informierte jetzt Oberbürgermeisterin Beate Weber.

Bei der "Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften über die Anwendung der allgemeinen Grundsätze des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs - Art. 28 und 49 EG-Vertrag - auf dem Gebiet der Nutzung von Parabolantennen" vom 27. Juni 2001 handelt es sich nicht um neues europäisches Recht. Die Grundsätze des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs des EG-Vertrages gelten schon immer unmittelbar in den nationalen Rechtsordnungen. Bei der Mitteilung handelt es sich weder um eine Richtlinie, die in nationales Recht umzusetzen wäre, noch um eine Verordnung.

Mit ihrer Mitteilung beabsichtigt die Kommission lediglich, ihre Einschätzung über die Tragweite und die Folgen der grundlegenden Prinzipien des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs des EG-Vertrages für nationale Vorschriften hinsichtlich der Errichtung und Nutzung von Parabolantennen zu erläutern. Damit soll Rechtssicherheit geschaffen werden. Der Rechtsauslegung des Europäischen Gerichtshofes, der in Einzelfällen zu entscheiden haben wird, will sie aber nicht vorgreifen.

Die Kommission schließt in ihrer Mitteilung die Möglichkeit, durch nationale Vorschriften das Anbringen von Satellitenempfangsanlagen zu beschränken, ohne gegen europäisches Recht zu verstoßen, nicht generell aus: Sie räumt ein, dass eine Genehmigungspflicht für das Anbringen von Satellitenempfangsanlagen insbesondere an denkmalgeschützten Gebäuden gerechtfertigt sein kann.

Um die optischen und ästhetischen Auswirkungen der Anbringung von Parabolantennen zu begrenzen, seien nationale Regelungen möglich, die die Anbringposition, die weit gehende Installation von Gemeinschaftsantennen und die Form, Abmessungen und Farbgebung betreffen. Außerdem sei zulässig, dass die zuständigen Behörden die Erfüllung besonderer Anforderungen vorschreiben, um das architektonische und ästhetische Gesamtbild von Stadtvierteln mit besonderem historischem oder künstlerischem Wert zu erhalten. Bei diesen ganz speziellen Umständen seien auch besonders strenge Regelungen denkbar. Diese Auslegung des europäischen Rechts durch die Kommission ist mit der Heidelberger Satellitenempfangsanlagensatzung vereinbar.

In dem durch die Gesamtanlagenschutzsatzung bestimmten Bereich der historischen Altstadt ist das Anbringen von Satellitenanlagen grundsätzlich verboten. Allerdings können von diesem Verbot Ausnahmen und Befreiungen erteilt werden. Von dieser Möglichkeit hat die Stadtverwaltung in der Vergangenheit bereits Gebrauch gemacht, wenn das Informationsrecht nicht durch den möglichen Kabelanschluss gedeckt werden konnte.

Im übrigen Stadtgebiet sieht die Satellitenempfangsanlagensatzung Gestaltungsanforderungen vor, die nicht weiter gehen als die von der Kommission in Betracht gezogenen möglichen Installationseinschränkungen. Nach geltender Rechtslage sind Satellitenanlagen hier im Übrigen nur kenntnisgabepflichtig. Deshalb werden auch weiterhin die Dächer der Altstadt weitestgehend "in jungfräulichem Glanz erstrahlen", ohne gegen europäisches Recht zu verstoßen.

  Zum Seitenanfang



Ein Blick zurück in die Zeit, als von Bergheim aus Glocken in alle Welt gingen (Foto: privat)

Die letzte Glocke aus Bergheim

Sommerfest der Alten Glockengießerei - Spektakuläre Live-Vorführung


In Anwesenheit von Oberbürgermeisterin Beate Weber wird am kommenden Freitag in Bergheim zum letzten Mal eine Glocke gegossen. In unmittelbarer Nähe der ehemaligen Schillingschen Glockengießerei, in der Poststraße auf der Wiese neben der Stadtbücherei, können Besucher und Anwohner beim Sommerfest der Alten Glockengießerei am Freitag, den 13. Juli ab 14 Uhr live verfolgen, wie eine Glocke entsteht.

Begleitet und kommentiert wird der letzte Bergheimer Glockenguss von einem echten Fachmann: Kurt Kramer ist Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Glockenfragen und kennt sich mit allen Details rund um die klangvollen Metallstücke aus. So wird er den Zuschauern nicht nur erklären, was genau passiert, wenn das Glockengießer-Team zur Tat schreitet, sondern auch in einer Diashow mit begleitender Ausstellung Wissenswertes rund um das Thema Glocke weitergeben. Als besonderer Ehrengast wird zudem Peter Schilling aus der renommierten Heidelberger Glockengießerfamilie anwesend sein und den Guss überwachen.

Die letzte Bergheimer Glocke bleibt am Ort ihrer Entstehung. Der rund 150 Kilo schwere Klangkörper wird als Denkmal Bergheimer Handwerkstradition im Turm-Café der Alten Glockengießerei ausgestellt. Auf diese Weise soll die Erinnerung an die große Zeit als Industriestandort aufrecht erhalten werden. Denn von dem alten Industrieareal ist heute nichts mehr zu sehen: Wo bis 1971 Glocken gegossen wurden, entsteht derzeit mit der Alten Glockengießerei ein junges Bergheimer Quartier, das mit lichtdurchfluteten Wohn- und Gewerbeeinheiten, begrünten Innenhöfen und modernster Ausstattung interessante neue Akzente setzt.

  Zum Seitenanfang



Gedenktafel der Heimatvertriebenen aus Odrau. (Foto: Pfeifer)

In der Not Hilfe gefunden

Gedenktafel erinnert an die Ankunft der Heimatvertriebenen aus Odrau vor 55 Jahren


Vor fast genau 55 Jahren - am 30. Juni 1946 - traf in Heidelberg ein Zug mit rund 1.200 Menschen aus Odrau ein. Sie waren aus ihrer sudetendeutschen Heimat vertrieben worden und fanden in Heidelberg und Umgebung ein neues Zuhause. Daran erinnert seit vergangener Woche eine Gedenktafel.

Oberbürgermeisterin Beate Weber enthüllte in der Grünanlage zwischen Poststraße und Kurfürsten-Anlage bei der Stadtbücherei die an einem Granitstein befestigte Bronzetafel gemeinsam mit Dr. Walther Mann, dem Sprecher der Heimatvertriebenen aus Odrau.

Heidelberg, das von Kriegszerstörungen weitgehend verschont geblieben war, wuchs in den Jahren nach Kriegsende um mehr als ein Drittel: Die Einwohnerzahl nahm innerhalb kürzester Zeit von rund 84.000 auf etwa 115.000 zu. Die Oberbürgermeisterin bezeichnete die Aufnahme und Integration von Evakuierten und Flüchtlingen als eine große Aufgabe jener Jahre.

Sie gelang. Auch bei der Eingliederung der Heimatvertriebenen aus Odrau. Stadt und Gerichtsbezirk Odrau liegen im sogenannten Kuhländchen im heutigen Nordmähren (Tschechien). In dem zum Bezirk gehörenden Ort Heinzendorf wurde 1822 Johann Gregor Mendel, Entdecker der nach ihm benannten Vererbungsgesetze, geboren.

Als Vergeltung für die schweren Repressalien, die sie unter der Besetzung durch das nationalsozialistische Deutschland seit 1938 erleiden mussten, vertrieben die Tschechen nach Kriegsende die deutsche Bevölkerung aus dem Land. Von April bis September 1946 wurden alle deutschen Bewohner der Stadt und des Gerichtsbezirks Odrau - das waren fast 10.000 - gezwungen, ihre bisherige Heimat zu verlassen.

Einer von insgesamt zehn Eisenbahntransporten verließ Odrau am 27. Juni und traf mit 1.200 Menschen in 40 Viehwaggons am 30. Juni in Heidelberg ein. Dafür, dass sie von der Heidelberger Bevölkerung aufgenommen wurden und sich in der neuen Heimat eingewöhnen durften, dankt die jetzt enthüllte Gedenktafel mit folgendem Text:
  "Am 30. Juni 1946 kamen 1.200 heimatvertriebene Sudetendeutsche aus der Stadt und dem Gerichtsbezirk Odrau in 40 Viehwaggons in Heidelberg an. Wir hatten alles verloren, waren entwürdigt und ohne Perspektive für die Zukunft. Trotz eigener Sorgen und Nöte der Bevölkerung wurden wir aufgenommen und erhielten Hilfe und Möglichkeit zur Selbsthilfe. Hier fanden wir eine neue gute Heimat. Dafür danken wir. Möge Vertreibung für immer geächtet werden. Mögen Menschen in Not Hilfe finden, so wie wir sie hier fanden.

Die Heimatvertriebenen aus der Stadt und dem Gerichtsbezirk Odrau."

  Zum Seitenanfang



Die Sieger im Malwettbewerb "Eine Briefmarke für den Zoo": 1. Eva Raschig (Gorilla),...



... 2. Alena Kaiser (Löwe),...



... 3. Janna Hofmann (Robbe).

Kostbarkeiten im Zackenrand

Südwest 2001: Größte Briefmarkenausstellung, die es in Heidelberg je gab


Es wird die größte Briefmarkenschau, die Heidelberg je gesehen hat, verspricht der Briefmarken-Sammlerverein Heidelberg und Rohrbach 1891 e.V.: Vom 13. bis 15. Juli (Freitag bis Sonntag) veranstaltet er in der Sporthalle des Sportzentrums Süd (Kirchheim) die Südwest 2001.

Die Südwest 2001 ist eine sogenannte Wettbewerbsausstellung im Rang 2. Sammler aus dem In- und Ausland präsentieren ihre Sammlungen einer Jury, um sich für Rang 1, die höchste nationale Ebene, zu qualifizieren. Die Ausstellung, zu der auch der Bundes- und der Landesvorsitzende der Deutschen Philatelisten-Vereine erwartet werden, wird am Freitag um 11 Uhr von Oberbürgermeisterin Beate Weber eröffnet.

Jeder Veranstaltungstag ist einer anderen Sonderschau gewidmet: Am Tag der Jugend (Freitag) werden unter anderem die Ergebnisse des Schüler-Malwettbewerbs "Eine Briefmarke für den Zoo Heidelberg" präsentiert, an dem sich 600 Heidelberger Schülerinnen und Schüler beteiligten. 100 Jahre Nobelpreis heißt die Sonderschau am Samstag und 150 Jahre Badische Briefmarken am Sonntag.

Für Gäste, die das Besondere suchen, präsentieren sich folgende Schätze im Zackenrand: Apollo 11-Mondbrief, Hiroshima-Brief, Doppelbrief der russischen Weltraumstation MIR, die erste Briefmarke der Welt "One Penny Black" und die erste Briefmarke Deutschlands "Bayern 1" sowie ein Satz der unverausgabten DDR-Olympiamarken von 1984. Die Deutsche Post richtet eine Sonderfiliale ein und gibt vier Sonderstempel aus.

Die Südwest 2001 ist am Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 17 Uhr und Sonntag von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Die Sporthalle I im Sportzentrum Süd (Carl-Diehm-Straße beim ADAC) ist mit der Buslinie 11 zu erreichen. Parkplätze sind vorhanden. (br.)

  Zum Seitenanfang
  Zur Inhaltsangabe STADTBLATT



Copyright © Stadt Heidelberg 1999, All Rights Reserved
Stand: 10. Juli 2001