Thema der Woche

Ausgabe Nr. 16 · 18. April 2001



Landwirt Manfred Becker in seinem Spargelfeld am Kurpfalzhof. Noch 10 Tage Reifezeit braucht das edle Gemüse. (Foto: Rothe)

Ende April beginnt die Spargelzeit

Das Edelgemüse wird auch in Heidelberg gezogen - Bis 24. Juni dauert die Saison


Dieses Jahr muss man leider länger warten. Das nasskalte Wetter hat dazu beigetragen, dass die Feinschmecker etwas später als im Vorjahr in den Genuss des heimischen Spargels kommen. Der Heidelberger Landwirt Manfred Becker vom Kurpfalzhof hofft noch, dass zum letzten Aprilwochenende der Verkauf des edlen Gemüses beginnen kann.

Heidelberg beherbergt eine kleine Kolonie von Spargelanbauern. Die Landwirte Rehm, Gugler, Körner, Hartmann, Becker und die beiden Kaltschmitts bauen auf einer Gesamtfläche von rund elf Hektar jährlich etwa 20.000 Kilo an. Zum Vergleich: Im Rhein-Neckar-Kreis gibt es rund 400 Hektar Spargelfelder, rund 1200 Hektar beträgt die Anbaufläche in Baden Württemberg.

"Spargelstechen bedeutet viel, viel Arbeit", sagt Manfred Becker. In Heidelberg ist die Ernte eine besondere Plackerei, weil der Sandboden hier lehmiger ist als in den klassischen Anbaugebieten um Schwetzingen oder Bruchsal. Die Heidelberger Spargelbauern sind überzeugt, dass der festere Boden sich positiv auf den Geschmack auswirkt.

Erntehelfer brauchen ein geschultes Auge, um zu erkennen, wo sich der Spargel befindet. Wo der aufgehäufte Damm Risse zeigt, verbirgt sich oft die rund 20 Zentimeter lange Sprosse. Kommt die Spitze ans Tageslicht, wird sie grün oder violett. Das mag der Spargelproduzent nicht so gern, denn das verringert die Qualität und damit die Einnahmen. Manfred Becker benutzt daher Folien zum Abdecken der Dämme. Mit diesen auf der einen Seite schwarzen und auf der anderen Seite weißen Folien kann er den Reifeprozess beschleunigen oder verzögern.

Erst im dritten Jahr nach der Pflanzung kann der Spargelbauer den vollen Ertrag ernten. Diese Zeit braucht die Wurzel, um verwertbare Sprossen zu produzieren. Je länger sie die begehrten Stangen produziert, desto dünner werden sie. Nach 12 bis 15 Jahren hat die Wurzel ihre Kraft aufgebraucht.

Der geerntete Spargel wird gewaschen, geschnitten und nach Größe sortiert. Kühl, feucht und dunkel sollte er gelagert werden. Eine mittlere Dicke zwischen 16 und 22 Millimeter ist ideal, die besonders dicken Exemplare schätzt man nur im Ruhrgebiet, weiß "Altbauer" Erich Becker aus eigener Erfahrung. Er hatte 1972 nach rund zwei Jahrzehnten Pause den Spargelanbau, den schon seine Eltern pflegten, im Kurpfalzhof wieder aufgenommen.

Auf 0,8 Hektar ziehen die Beckers Spargel. Auf dem "Rest" wachsen Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Salate. "Säen, säen, säen" war Anfang April die Hauptarbeit bei den Heidelberger Bauern. "So nass wie in diesem März war es noch nie", sagt Manfred Becker. Kühle Witterung führt dazu, dass die Frühkartoffeln in Heidelberg erst Ende Mai, Anfang Juni geerntet werden können.

Das werden die Spargelliebhaber aber gar nicht gerne hören, denn neue Kartoffeln gehören nun einmal zum Spargel.

Heidelberger Spargel...
... gibt es auf dem Kirchheimer Bauernmarkt in der Schäfergasse. Während der Spargelsaison bis 23. Juni wird er dort jeden Samstag zwischen 8 und 12 Uhr angeboten. Auch auf dem Wieblinger Bauernmarkt, Ecke Mannheimer Straße/Wundtstraße, kann man ihn kaufen (Termine: 28. April, 12. und 26. Mai, 9. und 23. Juni, jeweils zwischen 9 und 12 Uhr). Ansonsten erhält man Heidelberger Spargel nur direkt bei den oben genannten Bauern auf den Aussiedlerhöfen Neurott, Kurpfalzhof und Kirchheimer Hof. (neu)

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Biogärtner Christian Oswald mit seiner Mitarbeiterin Anita Ehrhardt im Bioladen der Heidelberger Dienste an der Speyerer Schnauz 13. (Foto: Rothe)

Salate und Gemüse aus der Biogärtnerei

Die Heidelberger Dienste gärtnern seit 1997 ohne Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel


Eigentlich liegt das Zentrum des Heidelberger Gärtnereiwesens im Norden der Stadt. In Handschuhsheim gibt es etwa 25 Gärtnereibetriebe, die auf rund 310 Hektar Salate, Gemüse und Obst anbauen.

Die Gärtnerei der Heidelberger Dienste hat ihre Anbauflächen im südlichen Heidelberg an der Speyerer Schnauz. Dort wird auf einem Hektar biologisch angebaut, weitere zwei Hektar Fläche besitzt man am Kurpfalzhof. 40 Sorten Gemüse, eine breite Palette Salate, Kräuter und etwas Obst zieht Biogärtner Christian Oswald mit seinen fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. An der Speyerer Schnauz verkaufen sie in einem kleinen Laden ihre Produkte. Außerdem betreiben sie einen Lieferdienst, der Heidelberg und die Region mit eigenen und zugekauften Biowaren versorgt.

"Ich habe noch nie erlebt, dass jemand gesagt, hat, biologisch angebaute Produkte schmecken nicht", erzählt Christian Oswald. Hauptsächlich würden Familien mit Kindern und Frauen Biokost einkaufen. Für immer mehr Kunden sei aber nicht der pflanzen- und bodenschonende Anbau, sondern der Geschmack entscheidend für den Kauf von Biowaren.

90 Prozent ihrer Ware verkaufen die Heidelberger Dienste über den Abo-Service. Man bekommt als Kunde eine Standard-Biokiste oder aber eine nach individuellen Geschmacksvorlieben zusammengestellt und wöchentlich geliefert. Ab 28. April wird die Gärtnerei auch mit einem Stand auf dem Markt in Rohrbach vertreten sein, der samstags zwischen 7 und 13 Uhr auf dem "Arnimplatz" stattfindet. Seit die Kürzel BSE und MKS kursieren, ist das Vertrauen vieler in die konventionelle landwirtschaftliche Produktionsweise erschüttert. Bei den Heidelberger Diensten registriert man derweil eine Steigerung des Umsatzes um 30 Prozent.

600 Quadratmeter der Anbaufläche liegt unter Glas und Folie. Im Gegensatz zu konventionell beziehungsweise integriert anbauenden Gärtnern darf Oswald in den Treibhäusern nicht heizen. Deswegen kann er noch keine ganzen Salatköpfe wie die Kollegen in Handschuhsheim verkaufen, seine sind noch zu klein. Doch für abgepackte Mischsalate werden sie schon verwertet. Die ersten 1000 Salate der Biogärtnerei, sagt er, sehe sowieso kein Kunde, die seien für die Schnecken... (neu)
   
 

Öffnungszeiten

  Der Bioladen der Heidelberger Dienste hat Mo, Mi und Fr von 7 bis 16 Uhr, Di und Do von 7 bis 18 Uhr und Sa von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

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Stand: 17. April 2001