Thema der Woche

Ausgabe Nr. 10 · 6. März 2002



Das Ma'alot Quintett zählt zu den Geheimtipps des Heidelberger Frühlings 2002. Am Mittwoch, 18. März, sind sie um 20.30 Uhr in der Peterskirche mit Werken von Mozart, Harneit und Schönberg zu erleben.

Zwischen Zeit und Ewigkeit

Heidelberger Frühling bringt musikalischen Brückenschlag zwischen Klassik und Moderne


Im sechsten Jahr seines Bestehens ist der Heidelberger Frühling aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Durch ambitionierte Projekte wie die Komponistenporträts, den großen Anteil von zeitgenössischen Kompositionen und einem thematisch bestimmten Konzertprogramm konnte sich das Musikfestival in der Region und darüber hinaus etablieren. "Der Heidelberger Frühling hat sich stetig weiterentwickelt und ein klares Profil gewonnen", so Micheal Breugst Dramaturg des Heidelberger Frühlings.

Die Mischung von lokalen Kräften und Künstlern von Weltruf macht auch in diesem Jahr den besonderen Reiz des Heidelberger Frühlings aus. Vom 15. März bis zum 14. April werden internationale Größen wie Barbara Hendricks, Matthias Goerne, Eric Schneider und das Petersen Quartett ebenso zu hören sein wie Heidelberger Musikerinnen und Musiker wie die Cappella Palatina unter der Leitung von Thomas Berning, die Studentenkantorei mit Christoph Andreas Schäfer und der Pianist Philipp Vandré.

Besonderes Merkmal des Festivals ist der jeweilige Themenschwerpunkt, unter den das Programm gestellt wird. Ob das Brahms-Fest 1997, Text und Takt 1998, die Wendezeichen I und II in den Jahren 1999 und 2000 oder Vom Eise befreit im vergangenen Jahr, immer zieht sich das Motto wie ein roter Faden durch das Programm. In diesem Jahr steht der Heidelberger Frühling unter dem Motto "Zwischen Zeit und Ewigkeit".

Drei Schwerpunkte
Ostern, eines der wichtigsten christlichen Feste, fällt in diesem Jahr in den Zeitraum des Festivals. Die Leidensgeschichte von Jesus Christus bestimmt nicht nur das Motto des Festivals "Zwischen Zeit und Ewigkeit", sondern auch einen Themen-Schwerpunkt. Mit insgesamt vier Passionen - von Bach, Salieri und Vögele - spannt der Heidelberger Frühling einen eindruckvollen Bogen von der Klassik bis zur Moderne und gibt einen spannenden Einblick in die verschiedenen Interpretationen dieses Leidensweges.

Ein zweiter Schwerpunkt ist Beethovens 175. Todestag gewidmet. Die Cellistin Maria Kliegel wird gemeinsam mit der Pianistin Nina Tichmann am 22. März die beiden Cellosonaten op. 102 von Beethoven vortragen. Einen Tag vorher, am 21. März, wird der junge finnische Pianist Henri Sigfridsson, Preisträger des renommierten Geza Anda-Wettbewerbs, neben Werken von Chopin und Liszt auch Beethovens Klaviersonaten "Les Adieux" und op. 111 spielen.

Zeitgenössische Musik bestimmt den dritten Schwerpunkt. Im Komponistenportrait wird dieses Jahr der in Hamburg lebende Komponist Johannes Harneit vorgestellt. Beim Eröffnungskonzert am Freitag, 15. März, im Theater der Stadt werden Christian Tetzlaff (Violine) und Lars Vogt (Klavier) in Anwesenheit des Künstlers den zweiten Teil seines "Duetts" zur Uraufführung bringen.

Festivalstimmung in Heidelberg
Fast 40 Veranstaltungen werden an verschiedenen Spielstätten in der ganzen Stadt zu erleben sein. Das Atrium der Heidelberger Druckmaschinen AG, das Deutsch Amerikanische Institut und die Backstube der Bäckerei Mantei werden ebenso zum Konzertsaal wie das Theater der Stadt, die Stadthalle, die Heiliggeistkirche, die Peterskirche, die Jesuitenkirche und die Aula der Alten Universität.

Lange Nacht der Museen
In der Langen Nacht der Museen kann der Heidelberger Frühling mit gleich zwei Konzerten aufwarten. Eric Saties 14-stündiges Klavierstück "Vexations" wird am Samstag 16. März von 10 bis 24 Uhr im Lapidarium des Kurpfälzischen Museums dem Publikum musikalische Dimensionen von Zeit und Ewigkeit erschließen. Die Pianisten Maki Mamekawa, Markus Stange und Philipp Vandré tragen im Wechsel die meditative Komposition von Satie vor. In der Stadthalle präsentiert ab 19 Uhr das Philharmonische Orchester der Stadt unter dem Titel "As time goes by..." ein abwechslungsreiches Programm mit "Zeitmusik" von Haydn bis Cage unter der Leitung von Thomas Kalb.

Das Konzert-Programm
Das vollständige Konzert-Programm des Musikfestivals liegt an der Theater- und Konzertkasse, Theaterstraße 4, und in zahlreichen öffentlichen Gebäuden aus und ist im Internet unter www.heidelberger-fruehling.de zu finden. Kartenreservierungen und Information über die Ticket-Hotline unter Telefon 58-2000 montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 16 Uhr.

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Thorsten Schmidt

Auch so klingt Musik unserer Zeit

Interview mit dem Leiter des Heidelberger Frühlings Thorsten Schmidt


In Heidelberg ist alles auf Frühling eingestellt. Am 15. März beginnt das gleichnamige Musikfestival. Über das Erfolgsgeheimnis des ambitionierten Festivals, die inhaltliche Ausrichtung des Konzertprogramms und die musikalischen Höhepunkte spricht Festivalleiter Thorsten Schmidt im Stadtblatt-Interview.

STADTBLATT: Herr Schmidt, was ist das Erfolgsgeheimnis des Heidelberger Frühlings?

Thorsten Schmidt: Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Wir haben das Glück gehabt, dass sich von Beginn an starke Partner hinter das Festival gestellt haben. Für die Entwicklung des Festivals war zum Beispiel von Bedeutung, dass sich die Oberbürgermeisterin sehr für das Festival eingesetzt hat und nach wie vor einsetzt. Gerade im ersten Jahr 1997 war es sehr wichtig, dass Sie viele Veranstaltungen besucht hat und auch in die Konzeption mit involviert war. Dann haben wir das große Glück gehabt, dass die Heidelberger Zement AG den Heidelberger Frühling zu ihrem Thema gemacht hat und das Festivalteam nicht nur finanziell (das Unternehmen hat sein Engagement auf die nächsten drei Jahre verlängert) sondern auch mit praktischer Hilfe unterstützt hat.

STADTBLATT: Das sind optimale Rahmenbedingungen, wie sieht die inhaltliche Gewichtung des Konzertprogramms aus?

Schmidt: Das Festival hat sich inhaltlich stark verändert und weiterentwickelt. Der Anteil zeitgenössischer Musik nimmt breiteren Raum ein. Nach wie vor werden auch keine fertigen Programme eingekauft, sondern sie werden gemeinsam mit den Künstlern auf den Themenschwerpunkt abgestimmt. Wichtig ist uns, dass wir kein elitäres Programm für eine kleine Gruppe machen. Unser Ziel ist es, die Inhalte auch zu vermitteln. Das geschieht zum einen über das Festivalbuch und im Bereich der zeitgenössischen Musik über moderierte Konzerte.

STADTBLATT: Welches sind für Sie die musikalischen Höhepunkte des Heidelberger Frühlings 2002?

Schmidt: Zu den Höhepunkten des Heidelberger Frühlings zählen sicher Barbara Hendricks und Matthias Goerne. Aber auch das Trio ex aequo mit dem in Heidelberg aufgewachsenen Cellisten Wolfgang Emanuel Schmidt ist ein Weltklasse-Ensemble. Zudem wären noch das Ma'alot Quintett, das Petersen Quartett (beide Gewinner des renommierten ARD Musikwettbewerbs) oder auch das Turtle Island String Quartet zu nennen, alles Ensembles, die in den wichtigsten Metropolen auf den namhaftesten Bühnen spielen. Besonders interessant wird sicherlich auch das Konzert mit Helmut Menzler (Cello) und Philipp Vandré (Klavier) im DAI.

STADTBLATT: In diesem Jahr stellen Sie dem Publikum den Komponisten Johannes Harneit vor. Wie sind Sie auf Harneit aufmerksam geworden?

Schmidt: Durch sein Violinkonzert, das in Frankfurt mit Christian Tetzlaff uraufgeführt wurde. Wir finden die Musik von Harneit in ihrer Radikalität spannend. Nach Peteris Vasks, den wir im letzten Jahr portraitiert haben, ist seine Musik sicherlich - na sagen wir mal - herber. Aber auch so klingt die Musik unserer Zeit. Übrigens haben wir mit Harneit einen ganz guten "Riecher" bewiesen. Denn inzwischen hat er zahlreiche weitere Kompositionsaufträge erhalten: u.a. vom Schauspielhaus Zürich und Christoph Marthaler oder vom Balthasar Neumann Ensemble mit Thomas Hengelbrock. Johannes Harneit wird übrigens bei allen Konzerten des Komponistenportraits dabei sein, sie teilweise moderieren und zum Gespräch zur Verfügung stehen

STADTBLATT: Den Familienfrühling haben Sie in diesem Jahr aus dem Programm genommen, warum?

Schmidt: Der Familienfrühling war sehr erfolgreich. Es war aber in der Vorbereitung immer so, dass er ein wenig nebenherlief. Das soll sich ändern. Deshalb haben wir uns ein Jahr Auszeit genommen, um ein Konzept zu erarbeiten und diesem Teil des Festivals die Aufmerksamkeit zu widmen, die er verdient. Auch hier wird der Vermittlungsaspekt eine wesentliche Rolle spielen. Also alle Fans des Familienfrühlings können sich darauf verlassen, dass sie im nächsten Jahr wieder auf ihre Kosten kommen.
   

Johannes Harneit

Johannes Harneit, mit dem Komponistenportrait stellt der Heidelberger Frühling jeweils einen zeitgenössischen Komponisten vor. In diesem Jahr ist es der 1963 in Hamburg geborene Johannes Harneit.- Sein Handwerk lernte er an der Musikhochschule in Hamburg bei Günther Friedrichs. Mit 23 Jahren erhielt er den 1. Preis beim Kompositionswettbewerb in Hitzacker. Kompositionsaufträge von der Hamburger Oper, der Alten Oper Frankfurt und dem NDR Hannover folgten. Johannes Harneits Oper "Idiot" stand in der Saison 2000/2001 auf dem Spielplan des Theaters Basel. Als Moderator der Komponistenporträts I und III und im Gespräch mit Armin Köhler vom SWR wird er Einblick in sein Schaffen geben.

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Stand: 5. März 2002