Wieblingen

Weit zurück auf die Zeit von ca. 3500 vor bis 260 nach Christi Geburt weisen die frühesten Spuren menschlicher Ansiedlungen auf der Wieblinger Gemarkung entlang des Neckarufers. Dazu zählt ein in einer Wieblinger Kiesgrube gefundener Mammutzahn ebenso wie Grabfunde aus frühkeltischer und merowingischer Zeit und zahlreiche Zeugnisse einer einstigen römischen Ansiedlung. Erstes schriftliches Zeugnis für den sich entwickelnden Ort ist ein Eintrag im Lorscher Codex vom 27. Februar 767. Darin schenkt eine gewisse Rutlind ihren in dem Ort "Wibilinga", das heißt Siedlung bei den Angehörigen des Wibilo, gelegenen Besitz dem Kloster Lorsch.

Seine Geschichte erlebt Wieblingen eng verbunden mit der des Kurfürsten - in Glanz wie Elend. Die älteste Ansicht Wieblingens zeigt zugleich den Kurfürsten Friedrich V. bei Einholung seiner englischen Gemahlin, Elisabeth Stuart am 7. Juni 1613. Im 30jährigen Krieg errichtet Tilly während der Belagerung Heidelbergs hier sein Hauptquartier. Mit der Einnahme Heidelbergs leidet der Ort wiederholt schwer unter den Plünderungen und Zerstörungen, die letztlich im Orléanschen Krieg ihre Fortsetzung finden, als das Dorf 1789 völlig niedergebrannt wird. Die Einwohnerzahl sinkt auf 160. Abermals gut 100 Jahre später wird Wieblingen während der Schlacht von Handschuhsheim am 24. September 1795 zum Angriffsziel der von Westen vorstoßenden Franzosen. Die vor allem durch Artilleriebeschuß hervorgerufenen Zerstörungen und nachfolgenden Plünderungen begleiten Wieblingen auch bis in das 19. Jahrhundert, ebenso bilden die wiederholten Einquartierungen durchziehender Soldaten eine drückende Last.

Gegen Ende des 19. Jahrunderts verändern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse durch die Industrialisierung nachhaltig. Die gewerblich betriebene Neckarfischerei stirbt aus. Der Land- und der ohnehin nur gering verbreiteten Weidewirtschaft treten die ersten Fabrikbetriebe zur Seite: 1840 errichtet Wilhelm Helmreich, bis 1853 zudem Besitzer der Wieblinger Mühle, eine Nagelfabrik, in der erstmals auch in Wieblingen eine Dampfmaschine zum Einsatz kommt. Eine Holzwarenfabrik (Schulmöbel), eine Lackfabrik und eine Zigarrenfabrik sind ebenso zu erwähnen wie eine 1912 eingerichtete Kunstwollfabrik und die Gummifabrik "Neckar", in deren Gebäude nach dem Ersten Weltkrieg das Fahrradwerk Baltia Einzug hält. Daneben gibt es wie immer schon Handwerk aller Art in Wieblingen.

In der Folge seiner Eingemeindung nach Heidelberg 1920 entwickelt sich Wieblingen immer stärker zur Arbeiterwohngemeinde mit städtischem Vorortcharakter. Anteil daran haben ein großzügiger Wohnungsbau wie zahlreiche Neubauten, die an die Stelle älterer Häuser treten Beachtenswert ist ferner die in den 20er Jahren nach der Gartenstadtidee entstandene Eisenbahnersiedlung "Ochsenkopf", deren klein gehaltene Einfamilienhäuser und zwei- bis dreigeschossige Wohnblocks mit großen Gartengrundstücken den Siedlungscharakter prägen.

Besonders markante bauliche Akzente setzen in der jüngeren Zeit die Klinik- und Bildungseinrichtungen des seit Anfang der 70er Jahre hier errichteten größten europäischen Reha-Zentrums sowie der Wohnkomplex der GGH mit 121 Sozialwohnungen und integriertem Kindergarten entlang der Mannheimer Straße aus dem Jahr 1996.
   
Weiterführende Literatur:

Weisert, Hermann: 1200 Jahre Wieblingen

Anlage zur Ruperto Carola. XVIII. Jg. Bd. 40. Heidelberg 1966.

Neu, D. Heinrich: Aus der Vergangenheit von Wieblingen

Heidelberg 1929.
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Stand: 14. März 1999