Bergheimer Straße, Hauptachse des Stadtviertels, 1955.
Bergheim
Der Stadtteil Bergheim erstreckt sich ab Sofienstraße als westliche Verlängerung der Innenstadt im wesentlichen zwischen Kurfürsten-Anlage und Neckarufer. Das ehemalige Dorf Bergheim ist älter als die Stadt Heidelberg. Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung gehen auf die frühe Steinzeit zurück. Circa 800 v. Chr. siedelten die Kelten im Bergheimer Gebiet. Das römische Kastell in Neuenheim war durch eine Brücke mit dem südlichen Neckarufer verbunden, wo drei römische Fernstraßen aufeinander trafen.

Das fränkische Dorf Bergheim mit der alten Bergheimer Kirche als Zentrum wird 769 im Lorscher Kodex erstmals urkundlich erwähnt. Seine wirtschaftlichen Grundlagen waren Ackerland und Weingärten, Fischfang und Flößerei.

Als Pfalzgraf Ruprecht II. die wachsende Residenzstadt Heidelberg nach Westen erweiterte, ließ er das Dorf Bergheim 1392 auflösen. Die Dorfbewohner mußten ihre Häuser abbrechen und in die befestigte Stadt umsiedeln. Vom ehemaligen Dorf blieben Wein- und Obstgärten, die Bergheimer Mühle und zunächst noch einige Herrenhöfe erhalten. An der "Galgengaß" befand sich das Heidelberger Hochgericht.

Der so gewonnene Raum reichte bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus. Dann zwangen die wachsende Universität, erste Industrieansiedlungen und die Beliebtheit Heidelbergs als touristisches Ziel die Stadt zur weiteren Ausdehnung nach Westen. Die Eröffnung der Heidelberger Hauptbahnhofs an der Stelle des heutigen Menglerbaus zog die Ansiedlung von Industrie am Bahngelände sowie den Bau zahlreicher Hotels in Bahnhofsnähe nach sich.

Ein Stadtratsbeschluß von 1861 gab das Bergheimer Gebiet zur Bebauung frei. Zwischen Bergheimer Straße und Neckar entstand das Universitätsklinikum. Auch Versorgungseinrichtungen der Stadt siedelten im Bergheimer Gebiet: 1852 das Gaswerk, 1892 der Schlacht- und Viehhof, 1901/02 das Straßenbahndepot. Am Bismarckplatz und in seiner Umgebung eröffneten zahlreiche Banken und die frühere Hauptpost.

Mehr als 20 Jahre lang, 1873 bis 1895, stand das Portland-Zementwerk auf dem Gebiet der Bergheimer Mühle. Nach einem Brand wurde die Fabrik nicht mehr aufgebaut, sondern nach Leimen verlegt. Unternehmen unterschiedlichster Art, zum Beispiel Heidelberger Druckmaschinen, Glockengießerei, Tabakfabriken und Brauereien, machten Bergheim zum Industrie- und Gewerbestandort mit einfachen Wohnblocks.

Als 1918 am Neckarufer eine Radium-Solquelle erbohrt wurde, schmiedete man optimistische Pläne für eine Kurstadt "Bad Heidelberg". 1928 wurde das Badehaus an der Vangerowstraße eröffnet. Der Kurbetrieb endete mit dem Zweiten Weltkrieg; 1957 versiegte die Quelle.

Nach dem Krieg wurde die seit langem geplante Verlegung des Hauptbahnhofs nach Westen verwirklicht. Die Eröffnung des neuen Bahnhofs 1955 bedeutete eine Entlastung für den bis dahin durch Bahnschranken stark behinderten Stadtverkehr und machte die ehemalige Bahntrasse zur Bebauung frei. Im Bereich der neu geschaffenen Kurfürsten-Anlage siedelten sich Banken, staatliche Behörden und die Stadtbücherei an.

Heute ist der Stadtteil Bergheim ein Schwerpunkt städtebaulicher Entwicklungs- und Erneuerungsvorhaben, unter denen die Bebauung der ehemaligen Glockengießerei, die Umgestaltung des Brauereigeländes und die Erneuerung des alten Hallenbads die derzeit wichtigsten Projekte sind.


Alter Heidelberger Hauptbahnhof, 1955. Folgt der Blick den Gleisanlagen, ist der neue Hauptbahnhof im Hintergrund zu erkennen. Rechts der Gleise liegt Bergheim.
 
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Stand: 7. April 1999