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stadtblatt  / 17. März 2021 4 SONDERSEITEN BÜRGERENTSCHEID: DIE POSITION DER BÜRGERINITIATIVE Für den Inhalt der Beiträge auf dieser Seite ist das Bürgerentscheid-Bündnis Ankunftszentrum, Flüchtlinge, Flächenerhalt BAFF in vollem Umfang selbst verantwortlich, insbesondere auch in Bezug auf alle notwendigen Nutzungsrechte. Keinen Bagger auf den Acker Damit die Wolfsgärten grün bleiben: Stimmen Sie beim Bürgerent- scheid mit JA! D ie Ackerfläche Wolfsgär- ten liegt auf dem Neckar- schwemmfächer, der Boden wird von fruchtbarem Schwemmlöß ge- bildet. Lössboden ist ein wertvoller Ackerboden mit zahlreichen Funk- tionen: er speichert Nährstoffe und zeichnet sich durch eine gute Was- ser- und Luftzirkulation aus. Löss- boden wurde von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Roh- stoffe (BGR) zum Boden des Jahres 2021 gewählt. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit wird durch eine Bebauung und Ver- siegelung der Böden massiv beein- trächtigt.Wenn der Boden dauerhaft von Luft, Licht und Wasser abge- schlossen ist, geht die gesamte Bo- denfauna wie beispielsweise Regen- würmer,Insektenlarven,Kleingetier und Mikroorganismen weitgehend zugrunde. Diese erfüllen wichtige Bodenfunktionen. Dazu gehören die CO2-Speicherfunktion sowie der Sauerstoff- und Wasserhaushalt. Die vorgesehene Baumaßnahme stellt eine Versiegelung hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen dar und wäre ein weiterer Beitrag zur Zerstörung von Boden und Biodiver- sität. Die Klimakrise ist hier Die Kulturpflanzen auf landwirt- schaftlichen Flächen verdunsten Wasser und kühlen dadurch die Umgebung besonders im Sommer. Die Wolfsgärten sind ein Kaltluft- entstehungsgebiet, auch ein Kalt- luftvolumenstrom¬gebiet, d.h. eine Kaltluftschneise des Neckartalab- windes. Dieser weht nachts von Ost nach West aus dem Neckartal in die Ebene bis über das Autobahnkreuz und verdrängt die wärmebelastete Luft aus der Stadt. Der Wind ist wichtig für die Belüftung angren- zender Stadtgebiete. Eine Bebauung kann sich in warmen Sommernäch- ten bis in die hoch belastete Kern- stadt von Bergheim und der nördli- chen Weststadt auswirken. Ent- sprechend steht imKlimagutachten von 2015 der Stadt Heidelberg: „Der Ausgleichsraum stellt zusammen mit den sich in Richtung Kernstadt fortsetzenden Freiflächen eine kli- maökologisch bedeutsame Land- schaftsachse dar, welche sich von der westlichen Stadtgrenze bis zur Kernstadt erstreckt und bei ent- sprechenden Wetterlagen zur Durchlüftung des nordwestlichen Stadtgebietes beiträgt. Wenngleich durch den Verlauf der A5 unterglie- dert, sollte die Vernetzung der Frei- räume auch weiterhin gewährleis- tet bleiben. Dabei stellt sich das Umfeld des Autobahnkreuzes Hei- delberg als Engstelle im Übergang … dar. Auf eine Bebauung in diesem Bereich sollte daher verzichtet wer- den.“ (Anhang B, Wieblingen Aus- gleichsraum 4) Eine Bebauung des Ackers würde zur weiteren Erwär- mung Heidelbergs beitragen. Wasser - Leben Westlich direkt angrenzend an die Wolfsgärten liegt das Wasserwerk Rauschen, das einen großen Teil der Heidelberger Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt. Gewöhnlich trägt die Versickerung des Nieder- schlagswasser zur Grundwasser- neubildung bei. Im Wasserwerk Rauschen wird allerdings 80% der Grundwasserneubildung durch Uferfiltrat des Neckars geleistet,das bedeutet, das Wasser des Flusses tritt in den Grundwasserleiter über. Der Neckar besitzt jedoch wegen der Stauung nur eine geringe Selbstreinigungskraft, er gehört mittlerweile zu den schmutzigsten Flüssen bundesweit. 2014 wurde durch Zufall Trifluor- acetat im Wasserwerk gefunden. Hydrologische Untersuchungen be- wiesen, dass der Stoff jahrelang von einer Firma flussaufwärts in Bad Wimpfen in den Neckar geleitet wurde und bei Heidelberg in den Grundwasserkörper übergetreten ist. Nach allem, was man heute weiß, ist Trifluoracetat nicht ge- sundheitsgefährdend. Wir wissen aber nicht, welche weiteren Stoffe durch Uferfiltrat in das Grundwas- ser gelangen, die nicht überprüft werden und nach denen nicht ge- sucht wird. Das Grundwasser im Oberrheingraben bei Heidelberg fließt sehr langsam von Osten nach Westen. Den Boden ausgerechnet im Osten des Wasserwerks zu ver- siegeln, vermindert die Grundwas- serneubildung durch Niederschläge und erhöht die Einspeisung des Uferfiltrats zusätzlich. Müsste bei heißen und trockenen Sommern die Wasserförderung erhöht wer- den, liegen die Wolfsgärten imWas- serschutzgebiet. Umgekehrt: wer- den sie bebaut, ist eine Erweiterung des Wasserwerks nicht möglich. Weißt Du, woher Dein Essen kommt? Äpfel vom Obsthof nebenan, Kartof- feln vom Bauern aus dem Nachbar- ort - regional erzeugte Lebensmittel erfreuen vermehrt Kunden und Kundinnen. Diese Lebensmittel rei- fen saisonal und werden frisch an- geboten. Durch kurze Transportwe- ge wird wenigerCO2 produziert, das Verkehrsaufkommen wird generell verringert.Das schont das Klima.Bei Obst und Gemüse aus der Region fallen circa 230 Gramm CO2 pro Kilo Ware an – wird das gleiche Produkt aus Europa importiert, ist es bereits das Doppelte. Und kommen die Pro- dukte aus Übersee, fallen sogar 570 (Schiff) bis 11.000 Gramm (Flugzeug) an. Regionale Lebensmittel sind ein direkter Beitrag zum Klimaschutz. Deshalb brauchen wir die Äcker hier vor Ort. Jeden Tag werden in Deutschland 56 ha fruchtbarer Böden für Verkehrs- und Siedlungsflächen - das sind gut 78 Fußballfelder - in Anspruch ge- nommen.Jede Stadt,jeder Ort ist der irrigen Meinung, auf ihren eigenen, vermeintlich kleinen Beitrag kom- me es nicht an. Doch mit jeder Beto- nierung fruchtbaren Bodens geht Überlebensraum für Tier und Mensch unwiederbringlich verloren. Ein neues Ankunftszentrum sollte deshalb besser auf bereits versiegel- ten Flächen gebaut werden. Die Wolfsgärten bleiben grün. Stimme Sie daher im Bürgerent- scheid mit JA! Die Wolfsgärten sollen nicht versiegelt werden. Das schützt Klima und Umwelt.

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