Stimmen aus dem Gemeinderat

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Judith Marggraf

Verkaufsoffener Sonntag − ein strukturelles Missverständnis

Stadträtin Judith Marggraf

Da hat im vergangenen Oktober der Gemeinderat beschlossen, die Verwaltung soll eine Rechtsverordnung zur Durchführung eines verkaufsoffenen Sonntags vorbereiten „unter der Maßgabe, dass „Pro Heidelberg Stadtmarketing e.V.“ im Zusammenwirken mit der Heidelberger Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (HWE) im Dezember ein den Qualitätsansprüchen unserer Stadt angemessenes Konzept zur Durchführung vorlegt und dabei eine Ausweitung auf die Stadtteile ermöglicht.“

Im Dezember lag kein Konzept vor und im Februar konnte man der RNZ entnehmen, dass man wieder was mit Schaustellern und Riesenrad plant. Da könnte einem ja schon der Kragen platzen, aber es wird noch besser: Nach der – absolut berechtigten – Kritik des Gemeinderates an dieser „Nicht-Planung“ kann man dem Lokalblatt entnehmen, die Stadtspitze und die „Kultur“ seien schuld und jetzt sei die Zeit wieder knapp. Da schlägt´s dann aber 13! Der Auftrag des Gemeinderates ging an Pro Heidelberg und die HWE. Er wurde relativ frühzeitig erteilt, sieben Monate Vorlauf wären möglich gewesen! Wenn unser geschätzter Einzelhandel aber meint, irgendjemand müsse ihm das Event-Sahnehäubchen liefern, er macht dann dazu die Geschäfte auf, dann besteht hier ein grundlegendes Missverständnis! Es ist nicht Aufgabe der Stadt und ihrer Einrichtungen, dem Einzelhandel einen Rahmen zur Werbung und Umsatzsteigerung maßzuschneidern. Es ist vielmehr Aufgabe des Einzelhandels, sich über Ziel und Strategie einer Imagekampagne zu verständigen und dann Partner für die Umsetzung zu suchen. Potenzial genug dafür hat unsere Stadt.

Ich würde gerne für dieses Jahr die verkaufsoffenen Sonntage beerdigen. Damit könnten wir Zeit gewinnen. Zeit, Zuständigkeiten und Verantwortungen zu klären, Missverständnisse auszuräumen, regional abgestimmtes Vorgehen zu fördern. Im Übrigen hat vermutlich niemand etwas dagegen, wenn Freitage oder Samstage dazu benutzt werden, zu üben. Üben, wie das große Potenzial von Einzelhandel, Handwerk und Gewerbe in unserer Stadt sich selbst so präsentiert, dass aus interessierten Besuchern überzeugte Kunden werden.