Planen und Bauen

Neckarufertunnel führt durch Fels

Tunnelbauwerke in Köln und in Heidelberg nicht vergleichbar

Ab April 2016 sollen die Fahrzeuge auf der B 37 ihren Weg durch den Neckarufertunnel finden. Damit Bau und Betrieb reibungslos verlaufen, finden derzeit Bohrkernuntersuchungen bei der Versuchsanstalt für Geotechnik der Technischen Universität Darmstadt statt. Ein Pressetermin brachte Einblicke in diese Arbeit.

Werte wie aus dem Lehrbuch: Emilio Benitez hat ein Stück Granit im Spaltzugversuch getestet. (Foto: Rothe)
Werte wie aus dem Lehrbuch: Emilio Benitez hat ein Stück Granit im Spaltzugversuch getestet. (Foto: Rothe)

Doch bevor es ins Labor geht, sorgt der Einsturz des Kölner Stadtarchivs neben einer U-Bahn-Baustelle am Vortag für Nachfragen. „Die Tunnelbauwerke in Köln und in Heidelberg sind nicht miteinander vergleichbar“, beruhigt Institutsleiter Professor Rolf Katzenbach: Während in Köln im Lockergestein, also in Rheinkies, gearbeitet wird, wird der Neckarufertunnel in Granit und Sandstein gebaut – also in Festgestein.“ Beides verliert selbst unter Wasser-einfluss nicht seine Standfestigkeit. Lediglich ein kurzer Abschnitt der Tunneleinfahrt im Westen verläuft im Lockergestein, wie der Leiter des Tiefbauamtes, Ulrich Zwissler, darlegt: „In den Bereichen der Rampen und in einem kurzen Abschnitt der offenen Bauweise im Westen werden die Bauarbeiten in offenen Baugruben durchgeführt.“ Dadurch sei zu sehen, was im Untergrund geschieht. Auf einen unerwarteten Wassereintritt oder Bodeneintrag könne man sofort reagieren.

Im Labor startet derweil der angelaufene Spaltzugversuch. Die Granitscheibe 090078 zeigt sich wenig beeindruckt von der 50-Tonnen-Presse. Sie drückt senkrecht mit zunehmender Kraft auf die Scheibe und erzeugt in waagerechter Richtung Zugkräfte, bis das Material nachgibt. Das Ergebnis gibt Aufschluss darüber, welche Kräfte das Gestein um den Tunnelhohlraum auch ohne Beton und Stahlarmierung verkraften kann und wie viel Spritzbeton und Stahlarmierung nötig sind, um den Tunnel vollständig zu stabilisieren.Da nur den Geräuschen der Presse zu entnehmen ist, dass etwas geschieht, setzen die Besucher ihren Weg durch die Labors fort. Sie werfen Blicke auf zerstörte Bohrkerne, die in nummerierten Beuteln auf ihre Heimreise nach Heidelberg warten und betrachten einen laufenden Proctorversuch, bei dem die optimale Feuchtigkeit und Verdichtung ermittelt werden, um ein Höchstmaß an Kompaktheit zu erreichen.

Befragt nach ersten Zwischenergebnissen vermeldet Zwissler Erfreuliches: „Die Daten entsprechen weitgehend unseren Erwartungen nach der Auswertung der Karten des Geologischen Landesamtes. Der Tunnel kann sicher gebaut werden. Und wie zum Beweis gibt dann die Granitprobe unter der Belastung von 6,8 Tonnen doch noch nach: „Das ist fast exakt der Wert, den wir auch erwartet hatten“, erklärt Katzenbach. Weitere Informationen unter www.heidelberg.de. (amb)