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Ausgabe Nr. 36 · 4. September 2002



Auch die älteste Kirche Heidelbergs, St. Vitus in Handschuhsheim, mit Bauteilen aus dem 11. Jahrhundert, kann am kommenden Sonntag besichtigt werden. Eine Führung findet um 16 Uhr statt. (Foto: Rothe)

Straßen, Plätze und Ensembles

Am 8. September ist "Tag des offenen Denkmals" - 21 kulturhistorische Stätten öffnen ihre sonst meist verschlossenen Tore


Am kommenden Sonntag, 8. September, findet bereits zum zehnten Mal der bundesweite "Tag des offenen Denkmals" statt. In diesem Jahr steht er unter dem Motto: "Ein Denkmal steht selten allein: Straßen, Plätze und Ensembles". In Heidelberg warten 21 kulturhistorisch bedeutsame Gebäude und Anlagen, die sonst nicht oder nicht immer zugänglich sind, auf interessierte Besucherinnen und Besucher.

Im vergangenen Jahr nutzten bundesweit rund drei Millionen Menschen die Gelegenheit, einen Blick hinter sonst verschlossene Türen historischer Bauten zu werfen und an den vielerorts angebotenen Sonderführungen teilzunehmen. In Heidelberg beteiligten sich 14 Institutionen und Denkmäler an der Aktion.

Neben "Klassikern" wie Schloss, Heiliggeistkirche, Melanchthonkirche, Großherzogliches Palais und Alte Aula präsentieren sich in diesem Jahr verschiedene Objekte, die erstmals auf der Liste stehen oder längere Zeit nicht dabei waren, nun aber wieder besichtigt werden können.

Neu dabei sind: das Haus Cajeth, das ehemalige Radium-Solbad, das Handschuhsheimer Schlösschen und der Grahampark, die Vituskirche, die Tiefburg und der Turm der ehemaligen Kirche St. Johannes in Neuenheim. Neu sind auch die Führungen zur ehemaligen Judengasse (heutige Dreikönigstraße), eine Führung zu den Haustüren in der Haspelgasse, Steingasse und am Fischmarkt und ein Spaziergang durch die Gaisbergstraße in der Weststadt.

Erster Bürgermeister Prof. Dr. Raban von der Malsburg stellte das diesjährige Programm gemeinsam mit den Veranstaltern in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte vor. Der Baudezernent nutzte die Gelegenheit zu einigen Bemerkungen über den Umgang der Stadt Heidelberg mit ihren Baudenkmälern. Die Geschichte sei gekennzeichnet durch einen Wechsel von "Abrissmentalität" und "Konservierungsmentalität". Während das Barock sehr rücksichtslos mit historischer Architektur umgegangen sei, habe das 19. Jahrhundert vieles erhalten.

"Nach dem Zweiten Weltkrieg ist mehr historische Bausubstanz zerstört worden als durch den Krieg selbst", so von der Malsburg. Diese Phase des "rüden Umgang" habe bis um 1970 gedauert, danach sei der Denkmalschutzgedanke in den Vordergrund getreten. Heute hätten es die Städte bereits wieder mit Beschwerden über "zu starken Denkmalschutz" zu tun. Von der Malsburg plädierte für "die Bewahrung der Denkmale, aber auch die Schaffung von Neuem, das die Architektursprache des 21. Jahrhundert zum Ausdruck bringt". (hö/rie)

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Eingang zur Haspelgasse 12 (Haus Cajeth) (Foto: Rothe)

Programm

Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September 2002

Denkmal Öffnungszeiten / Führungen
1. Aula der Alten Universität,
Grabengasse 1
Geöffnet: 11-17 Uhr, Führung stündlich 11-16 Uhr
2. Erlöserkirche, Plöck 44 Geöffnet: 10-16 Uhr, Führung um 14 und 15 Uhr
3. Karlstorbahnhof Nur während der Führungen um 11 und 15 Uhr geöffnet
4. Schloss Geöffnet: 8-17.30 Uhr, 15 bis 18 Uhr, Führung "Befestigungen und Belagerungen", 25 Personen, nach tel. Voranmeldung (538431)
5. Großherzogliches Palais
Karlstraße 4
Geöffnet: 10-17 Uhr, Führung 11 und 14.30 Uhr, Präsentation der Forschungsstellen
6. Heiliggeistkirche
Marktplatz
Geöffnet: 13-17 Uhr, Führung 12.30 und 15.30 Uhr, Orgelvorführungen 13.15 und 16.15 Uhr
7. Ehemalige Judengasse
Dreikönigstraße 10
Innenhof der Dreikönigstraße geöffnet: 14-18 Uhr, Führung um 14, 15, 16 und 17 Uhr
8. Haus Cajeth,
Haspelgasse 12
Geöffnet: 14-18 Uhr
9. Haustüren in der Haspelgasse Führung um 14, 15.30, 16 und 17 Uhr. Treffpunkt: Eingang zur
Steingasse und Fischmarkt
10. Peterskirche
Plöck 70
Geöffnet: 10-19.30 Uhr, 10 Uhr Gottesdienst, 12 bis 18 Uhr Kirchenführungen zu jeder vollen Stunde; 13.30 Uhr Vortrag Dr. Himmelheber; 15.30 Uhr Orgelführung, 19 Uhr "Vox gregoriana"
11. Ehem. Radium-Solbad
Vangerowstraße 2
Geöffnet: 10-17 Uhr, Führung um 10, 12, 14 und 16 Uhr, Foto-Ausstellung
12. Friedenskirche
An der Tiefburg
Geöffnet: 14-17 Uhr, Führung 14, 15 und 16 Uhr; Orgelerklärungen jeweils zur halben Stunde: 14.30, 15.30 und 16.30 Uhr; Turmbesteigung jederzeit möglich
13. Heiligenberg Führung 11 Uhr, Treffpunkt: Aussichtsturm beim Stephanskloster
14. Schlösschen und Graham-Park
Dossenheimer Landstraße 13/15
Führung 14 Uhr, Treffpunkt: Hof des Schlösschens
15. Kirche St. Vitus
Obere Kirchgasse 1
Führung: 16 Uhr, Treffpunkt: Garten der Kirche
16. Tiefburg Dossenheimer
Landstraße 6
Führung: 10.30, Treffpunkt: vor der Tiefburg
17. Landessternwarte,
Königstuhl
Geöffnet: 10-16 Uhr, Führungen stündlich
18. Turm der ehem. Kirche St. Johannes, Marktplatz Turmführungen 11 und 13 Uhr, bei Bedarf weitere Führungen
19. Melanchthonkirche
Am Heiligenhaus 14
Geöffnet: 12-17 Uhr, Führungen 14-17 Uhr, Orgelführung 15 und 16 Uhr
20. Gaisbergstraße Führung 15.30 Uhr, Treffpunkt: Victoria-Haus
21. Kreuzkirche
Mannheimer Straße 252
Geöffnet: 11-18 Uhr, Führung: 11, 15 und 17 Uhr, Orgelspiel 11.30 Uhr, Vorführung der Orgel, Turmbesteigung bei Führungen
 

Beschreibung

1. Aula der Alten Universität
Der Festsaal und ehemalige Hörsaal der Alten Universität - 1712-1728 von Joh. Adam Breunig erbaut - war ein Hauptwerk des Heidelberger Barock. Nur das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes am Universitätsplatz ist nahezu unverändert erhalten geblieben. Aus Anlass des 500-jährigen Bestehens der Universität im Jahr 1886 erhielt die Aula durch den Architekten Josef Durm eine Neugestaltung durch eine vollständige Holzvertäfelung im Stil der italienischen Renaissance.

2. Erlöserkirche
Teil des ehemaligen Dominikanerinnenklosters von 1724, dann Pfründnerspital, "englische Kirche" und Schule. Seit 1936 Pfarrkirche der Alt-Katholischen Gemeinde; seit 1976 simultan mit der anglikanischen Gemeinde.

3. Karlstorbahnhof
Der Karlstorbahnhof wurde von Architekt Walter Lay geplant und 1938 der Öffentlichkeit übergeben. Beachtenswerte Details sind unter anderem die künstlerische Baukeramik der Staatlichen Majolika-Manufaktur Karlsruhe, Bildkeramik und Wandverkleidung der Vorhalle. Nach 1977 wurde der ehemalige Bahnhof zeitweise als städtisches Bürogebäude genutzt und seit 1995 als Kulturhaus und soziokulturelles Zentrum.

4. Schloss
1225 wurde erstmals eine Burg erwähnt, die von den Kurfürsten mehrmals erweitert und umgebaut wurde. Sie war Zeugnis mittelalterlichen Wehrbaus wie auch fürstlicher Baulust in der Renaissance. 1689 und 1693 zerstörten französische Truppen das Schloss und sprengten dessen Türme. Ein 1764 begonnener Wiederaufbau wurde durch Blitzschlag vernichtet. Seitdem existiert das Heidelberger Schloss überwiegend als Ruine.

5. Großherzogliches Palais
Das Haus ist ein typischer Adelshof der Barockzeit. Die fast ungestört überkommene Gesamtanlage macht es zu einem der bedeutendsten Baudenkmäler des 18. Jahrhunderts in Heidelberg. Das Palais war später Heidelberger Wohnsitz des Kurfürsten Carl Theodor und des Großherzogs Karl Friedrich von Baden. 1920 wurde es Sitz der Akademie der Wissenschaften.

6. Heiliggeistkirche
1398 legte Kurfürst Ruprecht III. den Grundstein zu einer spätgotischen Hallenkirche. Vorgängerbauten an gleicher Stelle sind erstmals 1239 erwähnt. Der Vollendung des Hallenchors um 1400 folgte 1441 die Fertigstellung des Langhauses. Kriegerische Verwicklungen verzögerten die Vollendung des Turmes auf die Zeit nach 1508. Anfang des 18. Jahrhunderts erhielt das Turmdach seine barocke Form. Auf den Emporen war bis 1623 die "Bibliotheca Palatina" - die damals reichste Schriftensammlung Europas - aufgestellt.

7. Ehemalige Judengasse
Die Judengasse, die 1832 in Dreikönigstraße umbenannt wurde, war kein Ghetto, sondern erhielt ihren Namen von der um 1350 erbauten Synagoge. In allen Jahrhunderten, außer in der Zeit der Vertreibung zwischen 1390 und 1650, gab es dort einzelne Häuser in jüdischem Eigentum.

8. Haus Cajeth
Das Barockpalais Haspelgasse 12 wurde 1735 von dem Münzmeister Anton Cajeth auf dem Platz der Markthalle des Mittelalters errichtet. Architekt war der Mannheimer Bühnenbildner Allessandro Galli di Bibiena.

9. Haustüren Haspelgasse, Steingasse, Fischmarkt
In einem Rundgang wird exemplarisch der reichhaltige Bestand an Türen des Barock und des Klassizismus in der Altstadt vorgestellt.

10. Peterskirche
Die Peterskirche ist, mit erstmaliger Erwähnung im Jahre 1196, die älteste Pfarrkirche Heidelbergs. Der spätgotische Bau wurde 1485 begonnen, bauliche Veränderungen erfuhr die Kirche im barocken Wiederaufbau im 18. Jahrhundert, bei der neugotischen Gestaltung im 19. Jahrhundert und deren Rücknahme beim Wiederaufbau 1945. Als Universitätskirche dient die Peterskirche seit 1838 neben der Heiliggeistkirche.

11. Ehem. Radium-Solbad
Als 1918 am Neckarufer eine Radium-Solquelle erbohrt wurde, schmiedete man optimistische Pläne für eine Kurstadt "Bad Heidelberg". 1928 wurde das Badehaus an der Vangerowstraße eröffnet. Der Kurbetrieb endete mit dem Zweiten Weltkrieg; 1957 versiegte die Quelle. Danach beherbergte das Gebäude das Amt für öffentliche Ordnung. Das historische Gebäude wurde kürzlich denkmalgerecht saniert.

12. Friedenskirche
Die Kirche wurde1908 bis 1910 unter der Leitung des Großherzoglichen Oberbaurates Hermann Behaghel erbaut. 1959-1961 wurde sie renoviert und erhielt neue Prinzipalstücke (Altar, Kanzel, Taufstein) sowie eine neue Walcker-Orgel.

13. Heiligenberg
Der Heiligenberg besticht durch seine exponierte Lage und eine Fülle archäologischer und historischer Denkmäler. Während die restaurierten Klosterruinen von St. Michael und St. Stephan ein eindrucksvolles Bild von der Bedeutung des Berges im Mittelalter vermitteln, macht ein zwei mal drei Meter großes Bronzemodell des Berggipfels auch die keltische Vergangenheit sichtbar.

14. Schlösschen/Graham-Park
Der heute nach dem Engländer Benjamin Graham benannte Park entstand durch Vergrößerung des ehemaligen Klostergärtchens der Nonnen-Klause (an sie erinnert der Klausenpfad). Das im Norden des Parks errichtete Barockschlösschen hatte über zehn Besitzer, die bekanntesten waren Friedrich Rottmann, Adolf Uhde - der eigentliche Gestalter des Parks - und die Familie Graham. Heute ist das Schlösschen in städtischen Besitz und beherbergt die Musik- und Singschule.

15. St. Vituskirche
Die St. Vituskirche ist die älteste Kirche Heidelbergs. Sie wurde erstmals im Jahr 774 im Lorscher Cronikom urkundlich erwähnt und ist mit der Tiefburg das älteste und markanteste Wahrzeichen im Ortsbild von Handschuhsheim.

16. Tiefburg
Die Handschuhsheimer Tiefburg war die einzige Wasserburg an der Bergstraße und befand sich vom hohen Mittelalter bis zum Aussterben des Geschlechts im Jahre 1600 im Besitz der Ritter von Handschuhsheim.

17. Landessternwarte
Das Observatorium wurde 1772 unter Kurfürst Karl Theodor als Mannheimer Sternwarte gegründet, 1880 nach Karlsruhe und 1898 auf den Königstuhl verlegt. Eine kleine Ausstellung gibt Einblick in die Aufgaben und Forschungsgebiete der Sternwarte.

18. Turm der ehemaligen Kirche St. Johannes
Das Wahrzeichen Neuenheims sind die Reste der ehemaligen Dorfkirche St. Johannes (nach Johannes dem Täufer), die urkundlich 1173 geweiht wurde. Von einem gotischen Umbau überstanden nur Turm und Chor die Zerstörungen von 1689. 1906 wurde die alte St. Johanneskirche bis auf den Turm abgetragen und der bis 1856 genutzte Friedhof zum Marktplatz umgewandelt.

19. Melanchthonkirche
Die Kirche geht auf eine Mönchsklause aus dem 8. Jahrhundert zurück und wurde mehrfach erweitert. Die heutige Kirche ist das Ergebnis eines Um- und Erweiterungsbaus von 1907/8 nach den Plänen des evangelischen Kirchenbauinspektors Hermann Behaghel.

20. Gaisbergstraße
Wie kaum eine andere Straße in Heidelberg weist die Gaisbergstraße alle denkbaren Gebäudetypen aus der Endphase des 19. und des Beginns des 20. Jahrhunderts auf - von der biedermeierlichen Landhausbebauung über Mietshäuser bis zu Nobelvillen.

21. Kreuzkirche
Die Kreuzkirche in Heidelberg-Wieblingen wurde 1905/06 durch den badischen Kirchenbaumeister Hermann Behaghel (1839-1921) errichtet. 1993 wurde sie nach alten Plänen renoviert.

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Stand: 3. September 2002