Stimmen aus dem Gemeinderat

Ausgabe Nr. 27 · 02. Juli 2003

Otto Wickenhäuser

CDU

Im Westen nichts los? Oh doch!

Es ist eine uralte Erfahrung, dass dort, wo gebaut wird, Lärm entsteht und Einschränkungen von Anwohnern und Passanten notwendigerweise gefordert sind. Das dürfen wir nun wieder beim Umbau der Mannheimer Straße in Wieblingen erleben. Aber auch hier muss man erneut staunen über manche – oder viele – der Anwohner und Passanten, die lange darum gekämpft haben und immer wieder forderten, dass die Mannheimer Straße insgesamt für den fließenden und ruhenden Verkehr verbessert wird und für Wieblingen ein angemessenes und prägenden Bild erhält. Wenn gar noch im Untergrund (Kanal und Leitungen) gearbeitet werden muss, dann benötigt das erst recht seine Zeit. Immer wieder muss man auf diese Fakten mit Geduld hinweisen und die ungeduldigen Beschwerdeführer und -innen darauf aufmerksam machen, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut worden ist. Also nun bitte die Arbeiten in Ruhe beobachten und sich am Fortgang freuen; auch das Ende dieser Arbeiten ist abzusehen.

Nicht abzusehen allerdings ist das Ende der Straßenbelagsarbeiten im Steinzeitweg in Bergheim. Seit vielen Wochen – bereits vor Pfingsten – ruhen dort die geringen Arbeiten des Aufbringens eines Straßenbelages. Ganz abgesehen davon, dass diese kurze Strecke eine großflächigere Reparatur nötig hätte. Der Steinzeitweg ist als Zubringer für die Wieblinger Berufsschulen und den neuen Wieblinger Ortsteil Ochsenkopf wichtig.

Zum Ochsenkopf ist zu erwähnen, dass der Stadtrat in der letzten Sitzung die Zugehörigkeit zu Wieblingen beschlossen hat. Bedauerlich dabei ist nur, dass den Bewohnern dieses neuen Wieblinger Ortsteils vorher versprochen worden war, in einer Abstimmung selbst über ihre Zugehörigkeit zu entscheiden. Ohne weitere Information an die Bürger hat nun der Stadtrat selbst entschieden, wohl aus Gründen einer Zeitnot oder von entstehenden Kosten (wobei das ja bisher keine Rolle spielte). Aber hier kam wieder das Demokratieverständnis unsere Oberbürgermeisterin zum Ausdruck, Zusagen oder auch Stadtratsbeschlüsse (siehe Unterführung in Schlierbach) sind für sie wohl so ganz unverbindlich.

Schwimmbäder in Heidelberg (und heute im Zeichen der Geldnot auch anderswo) haben ihre eigene Problematik. In die Freude, dass das Alte Hallenbad vor einer Sanierung und Modernisierung steht, mischt sich die Trauer über den bevorstehenden Verlust des Darmstädter-Hof-Bades und das oberbürgermeisterliche Demokratieverständnis bei der Renovierung des Hasenleiserbades.
Nun kämpfen wir noch um ein nicht städtisches Hallenbad, das für Wieblinger, Bergheimer und weit darüber hinaus eine große Bedeutung hat und gerne besucht wird. Es ist das Bad der SRH (Stiftung Rehabilitation Heidelberg) auf deren Gelände. Dieses Bad will die SRH schließen, obwohl es gerade für Behinderte aus einem riesigen Einzugsgebiet das für sie einzige ohne Schwierigkeiten nutzbare Bad mit entsprechenden Nebenanlagen ist. Rollstuhlfahrer/innen wird dann etwa eine für sie äußerst wichtige Möglichkeit zum Schwimmen genommen. Hier sollte die Stadt Heidelberg unbedingt auch für den Erhalt kämpfen.

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Dr. Anke Schuster

SPD

Schlierbacher Unterführung

Wir befinden uns derzeit in einer schwierigen Haushaltssituation in der Stadt. Der Gemeinderat beschäftigt sich seit mehreren Wochen mit Vorschlägen zu Strukturveränderungen und Sparvorschlägen, um die weggebrochenen kommunalen Steuer- und Zuschusseinnahmen aufzufangen. Auch schon beschlossene Investitionen sind davon zunächst nicht ausgenommen.

Es ist einer solchen Diskussion, in dem alles erst einmal auf dem Prüfstand steht, nicht dienlich, wenn man, wie die CDU-Fraktion, ein Projekt in der Öffentlichkeit propagiert, ohne dass ein gesamtstädtisches Sparkonzept beschlossen worden wäre, und dabei auch nicht ehrlich sagt, welches andere Projekt dafür von der Realisierung zu einem späteren Zeitpunkt betroffen sein soll.

Die SPD-Fraktion hat vollstes Verständnis für den Unmut des Schlierbacher Bezirksbeirates, der in der Tat schon lange auf eine Unterführung wartet, und nimmt dessen Entscheidungen auch ernst. Doch muss berücksichtigt werden, dass der Gemeinderat dieser Maßnahme als kleine Lösung zu einem Zeitpunkt, als es um den Haushalt der Stadt noch besser stand, zugestimmt hat. Aufgrund der aktuellen Zahlen müssen jedoch alle Projekte, auch bereits verabschiedete, einer erneuten Prüfung unterzogen werden. In diesem Stadium befinden wir uns zurzeit.

Inhaltlich ist anzumerken, dass die Einführung der S-Bahn für den Stadtteil Schlierbach zunächst einmal viel Positives bringt. Die Anbindung wird deutlich verbessert. Zudem werden im Zuge der Umgestaltung des Schlierbacher Bahnhofs auch die Schrankenanlagen erneuert. Mit dieser Neuerung werden die Schließzeiten der Schranken deutlich verkürzt, was dem Fließen des MIV zugute kommt. Schließlich ist noch darauf zu verweisen, dass dem Mehr von 20 neuen Zügen auch ein Weniger an alten Verbindungen gegenüber steht, sodass der Zuwachs nicht so hoch ausfällt.

Sicherlich wäre eine Unterführung die optimale Lösung. Deshalb möchte die SPD-Fraktion diese Maßnahme auch, wenn überhaupt, lediglich um einige Jahre aufschieben. Eine endgültige Entscheidung wird noch vor der Sommerpause im Rahmen der Abstimmung der Strukturvorschläge erfolgen unter Abwägen dessen, was aus finanzieller Sicht machbar und zwingend in den Jahren 2003/2004 in dieser Stadt notwendig ist.

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Irmtraud Spinnler

GAL

Die Bahnstadt, ein Wunschkind der GAL

Es ist bisher nicht gelungen, dem Wohnungsmarkt gerecht zu werden und genügend Wohnraum, insbesondere bezahlbaren Wohnraum, bereitzustellen. Preiswerter Wohnraum in verdichteter Bauweise und ansprechende, pfiffige Architektur sind keine Gegensätze, dafür brauchen wir Wettbewerb! Attraktive Angebote für junge Familien mit Kindern fehlen ebenso wie für Studierende und Wissenschaftler. Wir gehen davon aus, dass Heidelberg auch künftig wachsen wird. Die Grundlagen dafür, stabiler Arbeitsplatz- und Wissenschaftsstandort in einer bezaubernden, umweltbewussten Stadt, sind vorhanden.

Wo also soll erweitert werden? Die grüne Wiese oder der Acker ist tabu, die werden von Natur, Landwirtschaft und Naherholung gebraucht. Das Gebiet soll zudem nahe am Zentrum, gut zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Da liegt die Bahnstadt mit ihren Brachflächen der ehemaligen Gleisanlagen goldrichtig!

Nicht aus einem Guss, sondern kleinteilig und in Vielfalt soll ein lebendiger Stadtteil für Wohnen, Gewerbe und Dienstleistung entstehen. Wichtig ist derzeit, die Handlungsbreite nicht einzuengen und genügend Planungsspielraum zu lassen. Der Stadtgrundriss ist „nutzungsflexibel“, heißt es im städtischen Bericht, und deshalb wird es auch im weiteren Verfahren gelingen, den Anteil an Mischfläche deutlich zu erhöhen.

Mitreden und -planen sollen endlich auch die Heidelberger Bürgerinnen und Bürger dürfen. Die Stadt hat unterstützend fachlich zu helfen und nicht vorzuschreiben, wie die Menschen leben wollen. Beim kleinen Schollengewann wurde schon mal geübt. So können die Erfahrungen der Verwaltung in Verbindung mit den sozialen Qualitäten sinnvoller Weise bei der Gestaltung der Bahnstadt mit einbezogen werden. Bei der Entstehung eines Stadtteils darf der Kreis ruhig größer sein, auch Kinder und Jugendliche können den Planungsprozess aktiv mit gestalten. Fragen sind zu klären wie zum Beispiel: Wie sehen die sozialen Anforderungen aus? Wird es sichere und kindgerechte Fußwegebeziehungen geben? Wo ist der richtige Standort für die Schule, den Sport? Sind Fraueninteressen berücksichtigt? Wie hat ein attraktiver Mittelpunkt auszusehen?

Schwer absehbar ist, in welchem Zeitraum sich der Stadtteil tatsächlich mit Leben füllen wird. Bis sich die ersten Pioniere angesiedelt haben, werden interessante Zwischenlösungen zu schaffen sein. Das Bahnbetriebswerk sollte nach Auffassung der GAL schon bald Kulturzentrum werden, die Halle 02 bleiben. Auch für die anderen markanten Industriedenkmale, dem Wasserturm und das Stellwerk, müssen Nutzungskonzepte entwickelt werden. Beach-Volleyball im Sommer, Eislaufen im Winter, solche oder ähnliche Wünsche sind auf diesem Gelände doch leicht erfüllbar. Viel Spaß beim Mitplanen!

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Dr. Ursula Lorenz

FWV
Heißes Wochenende

Zahlreiche Feste, wissenschaftliche Ereignisse und kulturelle Angebote von den Schlossfestspielen über die Thingstätte bis zum Schumann-Geburtstagskonzert in Heiliggeist hielten Heidelbergs Bürger am Wochenende in Bewegung. Kommunizieren war Groß geschrieben. Kommunizieren wollen auch die Ziegelhäuser und die Bewohner des nördlichen Neckarufers mit ihrer Altstadt. Wir stimmen nicht mit der Oberbürgermeisterin überein, die Alte Brücke für den Individualverkehr zu sperren. Auf unseren Antrag hat zu Beginn der Debatte der Gemeinderat beschlossen, dass er die Entscheidung über dieses Thema fällen wird. Wir werden mit Nachdruck für die Wiederöffnung plädieren und sehen uns darin auch nicht allein im Gemeinderat. Leider wurde unser Antrag, das nördliche Neckarufer wie bisher zum Stadtteil Altstadt zuzuordnen, von der Mehrheit des GR bei der Abstimmung über die neuen Stadtteilgrenzen nicht unterstützt. Nun können zum Beispiel die Grundschulkinder nicht mehr über die Alte Brücke in unsere schöne Altstadt marschieren, der Weg nach Neuenheim muss angetreten werden.
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Dr. Annette Trabold

FDP

Solide Entscheidungsgrundlage?

Ich bin bisher eigentlich immer davon ausgegangen, dass Entscheidungen allgemein und auch im Gemeinderat auf der Basis von einigermaßen verlässlichen Daten und Zahlen gefällt werden. Man wägt dann verschiedene Argumente ab und kommt schließlich zu einer Entscheidung. Natürlich gefallen einem nicht immer alle Beschlüsse – aber meistens kann man wenigstens die Argumentationsschritte nachvollziehen, die zu einer Entscheidung führen.

Der Beschluss, den Produktionsstandort des Heidelberger Tanztheaters nach Freiburg zu verlagern und dies dann „Kooperation“ zu nennen, scheint mir aber nicht rational begründbar. Warum?

1) Eine strukturierende Debatte über die Rolle, Aufgaben und Finanzen des Theaters in der heutigen Zeit fand nie statt.
2) (Prozentuale) Sparvorgaben an das Theater seitens des Gemeinderates liegen nicht vor.
3) Ein Beschluss des Gemeinderats zur Abschaffung des Tanztheaters liegt ebenfalls nicht vor.
4) Eine Einsparung von 235.000 Euro durch eine Kooperation des Tanztheaters mit Freiburg „erhoffen wir“!!(Originaltext der Verwaltungsvorlage vom 7.Mai 2003). Zahlen als Berechnungsgrundlage für diese Hoffnung wurden dem Gemeinderat nicht vorgelegt.
5) Es wurden keine Alternativen geprüft, wie sonst noch übergangsweise 235.000 Euro im Theater eingespart werden können, ohne eine Sparte zu beschneiden (beispielsweise vorübergehende Reduzierung Schlossspiele und/oder Stückemarkt, Gesamtzuschussbedarf von rund 940.000 Euro). Jeder Kulturinteressierte weiß: Einschnitte in eine Sparte sind nicht mehr zu reparieren.
6) Freiburg hätte ohne die Kooperation mit Heidelberg ab 2004/05 kein eigenes Tanztheater mehr – trotz dieser schwächeren Position wird der Produktionsstandort des Tanztheaters künftig Freiburg und nicht Heidelberg sein.
7) Insbesondere die beiden großen Gemeinderatsfraktionen beurteilen diesen ersten Schritt zur Abschaffung des Tanztheaters in Heidelberg als Beitrag zur Erhaltung desselben.

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Dr. Hannelis Schulte

Linke Liste/PDS

Wir brauchen Regen

Noch können wir unsere Gärten sprengen und uns mit einer Dusche erfrischen. Noch ist kein Wassernotstand ausgerufen. Doch unter der Dürre und Hitze leidet alles, nicht nur wir Menschen, die ganze Natur. Unsere Obst- und Gemüsebauern haben zusätzliche Arbeit und Unkosten und Probleme mit dem Auspflanzen. Im Allgemeinen zucken wir resigniert die Achseln: „Beim Wetter – da kann man nichts machen“.

Wirklich nicht? Wenn im März und April im Irak Tausende von Sprengkörpern explodiert sind, dann hat das enorme Mengen an Energien und Wärme freigesetzt, die ja irgendwo geblieben sein müssen. Zu den bisherigen Problemen mit der Erderwärmung also ein riesiger Zuwachs. Jeder weitere Krieg (Iran?) gefährdet das Leben auf unserer Erde noch mehr. Tun wir rechtzeitig etwas dagegen. Möglicherweise hat es bis Mittwoch geregnet. Doch das ändert noch nichts an der Gesamtlage.

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Anschriften der Fraktionen und Einzelmitglieder im Gemeinderat

CDU:

Rohrbacher Str. 57, 69115 Heidelberg,
Tel.: 16 39 72, Fax: 16 48 43
e-mail: info@cdu-fraktion-hd.de
Internet: www.cdu-fraktion-hd.de

SPD:

Bergheimer Straße 88, 69115 Heidelberg
Tel.: 16 67 67, Fax: 16 40 23,
e-mail: fraktion@spd-heidelberg.de
Internet: www.spd-heidelberg.de

GAL:

Rohrbacher Str. 39, 69115 Heidelberg,
Tel.: 16 28 62, Fax: 16 76 87
e-mail: mail@gal-heidelberg.de,
Internet: www.gal-heidelberg.de

DIE
HEIDELBERGER:

Bergheimer Str. 95, 69115 Heidelberg,
Tel.: 61 94 21, Fax: 61 94 22
Internet: www.dieHeidelberger.de

FWV:

Fischergasse 14-16, 69117 Heidelberg,
Tel.: 16 30 70, Fax: 65 98 30
Internet: www.FWV-hd.de

FDP:

Zähringerstr. 44a, 69115 Heidelberg,
Tel. 24 56 4, Fax: 18 21 13
e-mail: info@fdp-heidelberg.de
Internet: www.fdp-heidelberg.de

PDS:

Sitzbuchweg 14, 69118 Heidelberg,
Tel. 80 03 25

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Stand: 01. Juli 2003