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Ausgabe Nr. 5 · 28. Januar 2004



Sport und Abenteuer sind Teil des Jugendpräventionsprogramms. (Foto. Rothe)



Ein Schwerpunkt des Präventionsprogramms: Kreativität gegen Jugendarbeitslosigkeit. (Foto: Rothe)
Investition in die Zukunft
Präventionsprogramm des Heidelberger Kinder- und Jugendamtes setzt Maßstäbe


Sparen und dennoch die Qualität verbessern. Was wie die Quadratur des Kreises klingt, ist dem Kinder- und Jugendamt der Stadt Heidelberg mit einer vor rund drei Jahren begonnen Umstrukturierung der Jugendhilfe gelungen. Das erfolgreiche Präventionsprogramm stellte Oberbürgermeisterin Beate Weber jetzt gemeinsam mit dem Leiter des Kinder- und Jugendamtes, Werner Schmidt, und dessen Mitarbeitern Hans-Ulrich Nollek und Thomas Raab in einem Pressegespräch vor.

Eine "schöne Kindheit" wünschen sich alle Eltern für ihre Kinder, aber die Realität sieht leider häufig ganz anders aus. Der viel zitierte gesellschaftliche Wandel fordert seinen Tribut: Die Zahl junger Menschen und ihrer Eltern, die dringend Hilfe- und Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Lebenssituation benötigen, nimmt stetig zu.

Hier sind die Kommunen in ihrem Bemühen um ein funktionierendes Gemeinwesen gefordert, verlässliche Rahmenbedingungen für die jungen Menschen zu schaffen. Doch in Zeiten knapper Kassen sparen die Städte und Gemeinden häufig bei ihren Präventionsprogrammen und beschränken sich darauf, erst bei konkreten Missständen die gesetzlich geforderte Einzelfallhilfe zu leisten. Was letztendlich sehr viel teurer wird.

Die Stadt Heidelberg hat gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern vor drei Jahren einen anderen Weg eingeschlagen: nicht erst handeln, wenn es fast zu spät ist, sondern ein engmaschiges Netz knüpfen, das die Kinder und Jugendlichen rechtzeitig in ihrem Umfeld auffängt; eher in strukturelle Maßnahmen investieren als mit kostenintensiver stationärer Hilfe reagieren.

Ein recht alltägliches Beispiel nannte Jugendamtsleiter Werner Schmidt: "Alle Schüler besuchen regelmäßig die Schule - eine Aussage, die keineswegs selbstverständlich ist, wenn sich niemand darum kümmert."

In der Regel gerät das Kinder- und Jugendamt dann in das Interesse der Öffentlichkeit, wenn es versagt hat. Dass die Arbeit des Amtes aber auch sonst öffentliches Interesse verdient, unterstrich Oberbürgermeisterin Beate Weber als sie jetzt gemeinsam mit der Amtsleitung erstmals Ergebnisse der Heidelberger präventiven Jugendhilfe präsentierte.

Im Zeitraum von 1992 bis 1999 war in Heidelberg der Finanzbedarf für Hilfen zur Erziehung (dabei handelt es sich um eine Pflichtaufgabe der Kommunen) von knapp vier Millionen Euro auf fast sieben Millionen Euro angewachsen. Ursache für diese Entwicklung war, dass immer mehr Kinder und Jugendliche stationär in Heimen aufgenommen wurden, zuletzt bei einer Betreuungsrate von 51 Prozent mit steigender Tendenz. "Diese - nicht nur in finanzieller Hinsicht - Besorgnis erregenden Zahlen konnten und wollten wir nicht länger hinnehmen", betonte die Oberbürgermeisterin.

Deshalb begann die Stadt Heidelberg vor drei Jahren mit tief greifenden Umstrukturierungen im Bereich der Jugendhilfe: Weg von der kostenintensiven stationären Betreuung (Heimunterbringungen), hin zu mehr teilstationären oder ambulanten Stützsystemen und strukturellen Verbesserungen.

Mittlerweile gibt es ein engmaschiges Netzwerk präventiver Maßnahmen für Kinder und Jugendliche. Die reichen von ausreichend vielen Betreuungsplätzen in Kindertagesstätten - die Zahl der städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen wuchs in der zurück liegenden Dekade von acht auf 21 - über intensive Jugendarbeit vor Ort, Beratungsangebote, die Jugend- und Schulsozialarbeit, Jugendberufshilfe bis hin zur Suchtprävention.

Die strategische Linie heißt "Integration statt Ausgrenzung". Diese präventive Strategie dient dazu, die jungen Menschen in ihrem sozialen Umfeld zu belassen, sie zu stabilisieren (zum Beispiel ging in Heidelberg die Jugendkriminalität spürbar zurück) und gleichzeitig der Ausgabenexplosion entgegenzuwirken.

"Der Erfolg gibt uns Recht", sagt Oberbürgermeisterin Beate Weber: "Prävention lohnt sich - sowohl finanziell als auch und vor allem für das gesellschaftliche Zusammenleben. Wir konnten in den letzten drei Jahren rund 1,5 Millionen Euro einsparen und in neue wichtige Projekte zur Verbesserung der Präventions-Infrastruktur reinvestieren, beispielsweise in die flächendeckend an allen Haupt- und Förderschulen eingerichtete Schulsozialarbeit. Auch der Anteil der stationären Erziehungshilfen an den insgesamt gewährten Hilfen ist um rund 10 Prozent gesunken."

Trotz der ermutigenden sozialen und finanziellen Erfolge der Heidelberger Präventionsarbeit gibt es noch weiteren Entwicklungs- und Optimierungsbedarf. Das Netz soll noch dichter geknüpft werden: "Aufgabenschwerpunkt für 2004 wird sein, die unterschiedlichen Elemente der Jugendhilfe noch stärker miteinander zu verbinden," blickt die Oberbürgermeisterin voraus: "Unser erklärtes Ziel ist es, dass die Jugendhilfe und ihre Mitarbeiter mit den freien Trägern noch mehr zusammenwachsen soll.".
   
  Eine Broschüre mit dem Titel "Prävention lohnt sich" stellt das Präventionsprogramm für Kinder und Jugendliche ausführlich dar. Die Broschüre ist für 5 Euro beim Kinder- und Jugendamt der Stadt Heidelberg, Friedrich-Ebert-Platz 3, 69117 Heidelberg, erhältlich.

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Stand: 27. Januar 2004