Stadt und Leute

Ausgabe Nr. 4 · 26. Januar 2000

Expertensystem bietet Entscheidungshilfen

Ausländerbehörde nutzt modernste Informationstechnologie in kundenfreundlicher Atmosphäre


Das Ausländerrecht ist eine außerordentlich komplizierte Materie. Europa-, Bundes- und Landesrecht sowie zahlreiche Verordnungen und Verwaltungsvorschriften sind zu beachten. Und kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine neue Vorschrift erlassen wird. Kommentare in Buchform sind bei Erscheinen oft schon veraltet, und Loseblatt-Sammlungen, deren Aktualisierung viel Zeit beansprucht, hinken der Entwicklung meist hinterher.

Das Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Heidelberg hat daraus Konsequenzen gezogen und setzt das modernste Instrument ein, das zurzeit erhältlich ist: den "Hypertext-Kommentar zum Ausländerrecht (HTKAuslR)". "Wir wollen mit dieser Investition die Bearbeitungszeit reduzieren, den Service verbessern und die Materie besser handhabbar machen", sagt Amtsleiter Heiner Bernhard.

Der Hypertext-Kommentar ist im stadteigenen Intranet auf einem zentralen Web-Server abgelegt. Über den Microsoft Internet-Explorer können die Mitarbeiter/innen darauf zugreifen, wie Rainer Bing vom Personal- und Organisationsamt erläutert. Ein automatischer Update vom Server des Verlages über das Internet stellt die stets aktuellste Version zur Verfügung.

"Erfinder" und Herausgeber des HTKAuslR ist der Jurist Dr. Stefan Zeitler (1983 bis 1989 beim Rechtsamt der Stadt Heidelberg), der als Professor an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen lehrt. Verfasst hat er ihn gemeinsam mit Wolfgang Armbruster, Dr. Walter Krämer, Christoph Sennekamp und Hans-Peter Welte. Der HTKAuslR, der neben Gesetzen, Erläuterungen, Erlassen und Urteilen eine Suchmaschine und ein Expertensystem umfasst, das Entscheidungshilfe in schwierigen Rechtsfällen bietet, "ist mehr als die Summe seiner Einzelteile", so Zeitler. Alle Verwaltungsgerichte im Land verwenden den HTKAuslR bereits.

Carola de Wit, Leiterin der Abteilung Ausländer- und Staatsangehörigkeitsrecht wünscht sich, dass auch die hiesigen Rechtsanwälte dieses moderne Instrument nutzen: "Das würde die Qualität mancher Eingabe deutlich verbessern."

Um eine möglichst rasche Bearbeitung der Anliegen von Antragstellern sicherzustellen, hat das Amt für öffentliche Ordnung in der Ausländerabteilung einen Serviceschalter mit erweiterten Öffnungszeiten eingerichtet. Dort gibt es Informationen, Anträge und Beratung. In dringenden Fällen stehen die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter auch während der erweiterten Öffnungszeiten für Besucher/innen zur Verfügung.

Ausländerratsvorsitzender Memet Kiliç lobte den verbesserten Service der Ausländerbehörde: "Die Stadt ist bestrebt, eine kundenfreundliche Atmosphäre zu schaffen." (rie)
 

Öffnungszeiten

Die Ausländerabteilung des Amtes für öffentliche Ordnung, Bergheimer Straße 69, ist erreichbar: montags und freitags 8 bis 12 Uhr, dienstags und donnerstags 8 bis 16 Uhr, mittwochs 8 bis 17.30 Uhr.

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Die Mitarbeiter des Beschäftigungsunternehmen Werkstatt gGmbh vor der von ihnen hergestellten Bärengruppe im Hof der Geschwister-Scholl-Schule. (Foto: Pfeifer)

Die "Werkstatt" wurde ausgezeichnet

Das gemeinnützige Unternehmen erhielt Anerkennung im Bereich Dienstleistungen


Die Werkstatt gGmbh ist ein sozialwirtschaftliches Unternehmen mit Sitz in Heidelberg. 38 Personen, darunter 25 ehemals Langzeitarbeitslose, arbeiten in dem Betrieb. Mitte Januar erhielt die Werkstatt eine "Anerkennung für herausragende Leistungen bei der Förderung des betrieblichen Umweltschutzes und der umweltorientierten Unternehmensführung".

Das für die Auszeichnung verantwortliche Landesministerium für Umwelt würdigte besonders die "soziale Dienstleistung" der Werkstatt: Der Betrieb beschäftigt Schwerbehinderte, verhaltensauffällige Jugendliche und ganz allgemein Menschen, die Schwierigkeiten haben, auf dem normalen Arbeitsmarkt unterzukommen. Dennoch deckt der Betrieb rund 70 Prozent seiner Aufwendungen durch Erlöse, die er durch den Verkauf seiner Produkte macht. "Die Werkstatt verbindet soziale Ansprüche mit unternehmerischem Handeln, wobei ein neues, ökologisches und soziales Produkt geplant und hergestellt wird", beschreibt Geschäftsführerin Ulrike Kalb die Ziele des Betriebs.

Es sind "Spielräume der eigenen Art", die die Werkstatt herstellt. Wer mit offenen Augen durch Heidelberg läuft, wird die phantasievollen und als Spielgerät nutzbaren Skulpturen, Objekte und Arrangements entdecken: Sie lockern die Schulhöfe der Wilckens- und Geschwister-Scholl-Schule auf und laden in den Pausen zum Aufenthalt, zum Gespräch und zum Spiel. Besonders bekannt und beliebt ist der Walderlebnispfad auf dem Königstuhl, der Kinder mit Tieren aus Holz, mit Spielgeräten und Parcours zum spielerischen Kennenlernen des Ökosystems Wald auffordert.

Für die Planung und Umsetzung beschäftigt die Werkstatt Meister und Gesellen aus verschiedenen Gewerken: Garten- und Landschaftsbauer, Zimmerer und Schreiner, Metallbauer sowie Holz- und Steinbildhauer bringen ihre Ideen und Fachwissen ein. In der Planung der Spielräume werden sie zu einer komplexen, gestalterischen Einheit verknüpft. "Das ist auf dem bundesdeutschen Spielraummarkt meines Wissens einmalig", sagt Ulrike Kalb. Die Entscheidung für die Art eines bestimmtes Projekt erfolgt demokratisch. Die Auftraggeber und die späteren Nutzer werden, aus Kostengründen und um eine höhere Identifikation mit dem Produkt zu erreichen, an den Bauarbeiten beteiligt. Eine besondere Verantwortung trägt der Künstler und Planer Bernhard Hoppe, der in der Art der Planung die verschiedenen Gewerke und deren Kompetenzen miteinander verknüpft.

Die Werkstatt fertigt ihre Spielräume nicht nur nach ästhetischen Gesichtspunkten. Ihre "Produkte" werden mit Materialien hergestellt, die ökologisch einwandfrei sind: Der Betrieb verwendet Materialien aus der Region, vornehmlich Holz aus dem Stadtwald und, wegen der Langlebigkeit, Edelstahl. Das Holz wird grundsätzlich mit biologischen Lasuren oberflächenbehandelt. Sofern es möglich ist, fahren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Baustellen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Zudem arbeitet der Betrieb ausschließlich in der Region. "Der Betrieb lebt und arbeitet nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und Ökologie", sagt Ulrike Kalb. Und das jetzt schon seit 16 Jahren. (neu)

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Stand: 25. Januar 2000